Amerikanisches Start-up Rivian – Pick-Up mit E-Antrieb

Amerikanisches Start-up Rivian – Pick-Up mit E-Antrieb

4. Januar 2020 Aus Von Gerhard Prien

Er soll so etwas wie der Tesla unter den Pick-Ups werden, der Rivian R1T mit E-Antrieb. Im kommenden Jahr kommt der elektrische Pritschenwagen des Start-Up-Unternehmens aus den USA auf den Markt. Die Angebotspalette des Newcomer-Unternehmens soll der Geländewagen R1S ergänzen.

Pick-up statt Sportwagen

Eher ungewöhnlich ist, dass sich Rivian ausgerechnet das Marktsegment der Pick-Ups für den Start eines seiner beiden

Der R1T. (Foto: Werk)

E-Mobile ausgesucht hat. Denn in der Regel finden sich elektrische Fahrzeuge eher bei den Sportwagen, bei Luxus-Limousinen oder Stadtwagen. Andererseits sind Pick-Ups mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent in den USA ausgesprochen beliebt – mehrere Exemplare dieser Fahrzeuggattung finden sich regelmäßig in der Top-Ten der Neuzulassungen. Seit mehr als drei Jahrzehnten führt der Ford F-150 die amerikanische Verkaufsstatistik für alle Autos an. Pick-Ups sind klassenlos, sie werden in den USA von Kunden aus allen Bevölkerungsschichten bewegt. Vom Farmer oder Handwerker ebenso wie von der Hausfrau, vom Studenten ebenso wie vom Uni-Professor. Bisher gehörte unter die Motorhaube allerdings meist ein Achtzylinder in V-Form, mit reichlich Hubraum und Pferdestärken versehen. Aber (auch) bei den Amerikanern beginnt ein Umdenken. Vor allem in den Metropolen sind Elektroautos zurzeit gefragt.

 

Leistung satt

Vor allem an Leistung soll es den E-Mobilen von Rivian nicht mangeln. Die Fahrleistungen sollen auf einem Niveau liegen, bei dem selbst V8-befeuerte Wettbewerber das Nachsehen haben dürften. Dafür hat Rivian bereits mehrere Jahre gearbeitet. Der Pick-Up R1T und der Geländewagen R1S sollen neben ihrer hohen Leistung die Kunden vor allem mit großer Reichweite zur Kaufentscheidung bewegen.Je nach Variante soll die Systemleistung der Fahrzeuge bei bis zu 562 kW / 764 PS liegen.

Die "Skateboard-Architektur" von Rivian ist die Basis für weitere Fahrzeuge mit E-Antrieb.

Die „Skateboard-Architektur“. (Foto: Werk)

Rivian hat eine wegen ihrer flachen Bauweise so genannte „Skateboard“-Architektur entwickelt. Diese soll sich laut Rivian-Gründer RJ Scaringe für unterschiedliche Fahrzeugarten eignen. Damit könnte sie etwa auch in Bussen oder Lieferwagen und natürlich auch Reisemobilen zum Einsatz kommen. Dabei hilft sicherlich der für Nutzfahrzeuge beinahe unvermeidliche Leiterrahmen, ergänzt um eine Einzelradaufhängung mit einer Doppelquerlenker-Vorderachse und Multi-Link Hinterachse sowie einer Luftfederung.

Zur Plattform von Rivian zählen die Batterie mit einer Kapazität von bis zu 180 kWh bei R1T und R1S, die Antriebseinheit, Fahrwerk und Bremsen sowie das Thermomanagement. Die Akkuladung erfolgt mit bis zu 160 kW Leistung, in einer halben Stunde soll Strom für 320 Kilometer Reichweite „getankt“ werden können. Rivian-Chef RJ Scaringe verspricht, dass künftig jedes E-Mobil von Rivian „eine Kombination aus Leistung auf und abseits der Straße sowie eine in seinem Bereich einzigartige Funktionalität bieten” werde.

Plattform auch für andere Hersteller
Das Cockpit des R1T.

Das Cockpit des R1T. (Foto: Werk)

Die Plattform-Technologie der Batterie-Autos will Rivian auch anderen Firmen anbieten, falls die darauf aufbauenden

Fahrzeuge nicht im Wettbewerb mit dem eigenen Angebot stünden. Erste Anfragen – auch von Firmen, die neu in die Automobilindustrie einsteigen wollen – gebe es bereits, so Scaringe. Neben Nordamerika sieht Scaring auch Europa und China als potenzielle Absatzmärkte. Ein Marktstart in Großbritannien könne 2021 erfolgen. Ab Ende 2020 sollen die Linkslenker in den USA verkauft werden. Ob sie dann auch nach Deutschland kommen werden, ist derzeit noch unklar. So weit wie möglich möchte Rivian den Vertrieb selbst organisieren. Wo das nicht möglich ist, will das Unternehmen mit Partnern zusammen arbeiten, die auch die Wartung der Fahrzeuge übernehmen sollen.

Das notwendige Kleingeld müssen die Kunden für den Erwerb des elektrische betriebenen Pick-Ups R1T so oder so mitbringen. Während ein Ford F-150 in den USA schon um 30.000 Dollar zu haben ist, dürfte der R1T mehr als doppelt so viel kosten. Die Rede ist von Preisen ab 69.000 Dollar. Als Gegenwert soll der E-Truck eine Reichweite von bis zu 650 Kilometer bieten. Da ein Pick-Up in den USA auch für Farmer geeignet sein muss, wird der R1T mit Allradantrieb, einer Zuladung von 800 Kilogramm und einer Anhängelast von fünf Tonnen zum Kunden rollen.

Die Nutzung als Basis für Camping-Aufbauten ist bereits mit eingeplant.

Die Nutzung als Basis für Camping-Aufbauten ist bereits mit eingeplant. (Foto: Werk)

Gefallen dürften den PS- und Hubraum-gewohnten und -verwöhnten Amerikanern auch die Leistungsdaten des zwei Meter breiten Lust-Lasters. Mit vier Motoren (je einer pro Rad), die je bis zu 200 PS bringen können, soll der Wagen in 3,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten. Nach sieben Sekunden ist Tempo 160 km/h erreicht. Damit dürfte der rund fünfeinhalb Meter lange R1T selbst etliche reinrassige Sportwagen hinter sich lassen. Auch die Höchstgeschwindigkeit liegt deutlich über der seiner konventionell angetriebenen Artgenossen, der R1T wird erst bei 201 km/h abgeriegelt.

Viel Stauraum

Neben der schieren Leistung, die in den USA im alltäglichen Straßenverkehr vermutlich eher selten abgerufen werden

Der Rivian hat durch den E-Antrieb ungewöhnliche Stauräume.

Das besondere Antriebskonzept schafft Platz für ungewöhnliche Stauräume. (Foto: Werk)

dürfte, bietet der R1T jedoch noch weitere, praktische und handfeste Vorteile. Etwa drei Kofferräume. Da unter der Motorhaube kein Verbrennermotor sitzt, gibt es dort Platz für einen Stauraum mit rund 330 Litern Inhalt. Und da auch Verteilergetriebe und Kardanwelle nicht notwendig sind, hat der Pick-Up zudem Platz für ein von beiden Fahrzeugseiten zugängliches Fach im Heck des 2,7-Tonners. Zudem bietet der Fünfsitzer eine Wattiefe von bis zu einem Meter.

Neben dem Pick-Up will Rivian auch einen (siebensitzigen) Geländewagen anbieten, den leer etwa 2,7 Tonnen wiegenden und ebenfalls etwa fünfeinhalb Meter langen R1S. Die Leistungsdaten entsprechen dem Pick-Up, in der stärksten Ausführung sind 562 kW / 764 PS drin. Alternativ soll es zwei schwächere Konfigurationen geben, mit einer Gesamtleistung von 300 kW / 408 PS bzw. 522 kW / 710 PS. Das Drehmoment liegt in der Basisversion bei 560 Nm, die beiden stärkeren Varianten stellen 1.120 Nm bereit. Drei Varianten gibt es auch beim Akku-Pack: 105, 135 oder 180 kWh. Als Preis für den R1S peilt Rivian ab 72.500 Dollar vor Steuern an.

Info: https://rivian.com