Mehr Sicherheit durch Luftzelte

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Mehr Sicherheit durch Luftzelte

April 01, 2018 - 12:57
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Ein schönes Lagerfeuer oder ein großer Grill gehören beim Camping für viele einfach dazu. Das ist gemütlich, beim Grill auch noch lecker - aber auch gefährlich. Die Brandgefahr bei Caravan, Reisemobil und Zelt ist relativ hoch.

Schneller Zeltaufbau und guter Brandschutz - das neue Zeltgas. (Foto: jn)

Häufig wird im Vorzelt gekocht, abends brennen noch Kerzen oder der Wärmestrahler sorgt für angenehme Temperaturen. Problematisch wird es, wenn das Vorzelt durch ein Versehen, wie beispielsweise eine umgestoßene Kerze, plötzlich Feuer fängt. Das einzige Mittel ist hier die sofortige Flucht. Ein Übergreifen der Flammen auf den Caravan oder das Reisemobil ist dann meist nicht mehr zu verhindern.

Der 26-jährige Tom Stevens und sein gleichaltriger Kommilitone Ajeet Ranishwar probierten im Rahmen Ihrer Masterarbeit an der University of Essex wie viel Zeit vergeht, bis es von einer umgekippten Kerze zu einem Vollbrand beim Zelt kommt. Da in England hauptsächlich Luftzelte genutzt werden, lag es nahe diesen Zelttyp zu testen. Bereits nach kurzer Zeit platzten die Luftröhren des „Zeltgestänges“ auf Grund der hohen Temperatur und fachten das Feuer mit zusätzlichem Sauerstoff kurzzeitig an. Das brachte die beiden Studenten auf die eine Idee.

Im zweiten Versuch befüllten sie die Röhren nicht mit Luft sondern mit einem Edelgas, da dies nicht brennbar ist. Der Erfolg war verblüffend. Durch das Platzen eines Teils der Luftröhren wurde das Edelgas unter hohem Druck ins Innere des Zeltes geblasen und verdrängte dort den Sauerstoff. Dieser Sauerstoffmangel brachte das Feuer zum erlöschen. Leider löste das eingesetzte Edelgas auf Dauer sowohl das Material als auch die Klebeverbindungen an, so dass sich die beiden angehenden Akademiker auf die Suche nach einem passenden Gas machten.

Nach einigen Monaten Forschung in Zusammenarbeit mit einem Hersteller für technische Gase ist es den beiden gelungen eine Gasmischung zu entwickeln, die ein Feuer optimal löscht ohne das Zeltmaterial oder die Röhren anzugreifen. Das sogenannte Zeltgas ist gerade in England zugelassen worden. Derzeit überlegen Campingclubs und Platzbetreiber, das Zeltgas für Dauercamper vorzuschreiben, um dadurch den Brandschutz auf den Plätzen zu verbessern. Auch deutsche Plätze haben bereits starkes Interesse signalisiert.

Doch nicht nur aus Brandschutzgründen ist das Zeltgas ungemein praktisch. Ein Zelt lässt sich so in wenigen Sekunden aufbauen beziehungsweise aufblasen. Daher ist das Gas auch in unterschiedlichen Flaschengrößen erhältlich: kleine Flasche für Dauercamper mit wenig Bedarf, die mittlere für Reisemobilvorzelte mit häufigem Aufbau und die große Flasche für Platzbetreiber. Farblich unterscheiden sich die Zeltgas-Flaschen deutlich von den herkömmlichen Gasflaschen, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Wünschenswert wäre nicht nur die Zulassung von Zeltgas in Deutschland sondern auch ein Austausch herkömmlicher Zelte mit Metallgestänge, da bei diesen der Brandschutz nicht möglich ist. Derzeit prüft das Bundesamt für Materialforschung und -prüfung (BAM) die Zulassungsfähigkeit des neuen Gases.

Info: www.bam.de