Erste-Hilfe-Sets für Autos im GTÜ-Test: Gut muss nicht teuer sein

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Erste-Hilfe-Sets für Autos im GTÜ-Test: Gut muss nicht teuer sein

April 16, 2018 - 15:03
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In jedem Fahrzeug zählt taugliches Verbandmaterial zur sicherheitsrelevanten Ausstattung. Schließlich kann es Leben retten - im Zweifelsfall auch das eigene.

(Foto:GTÜ)

Obwohl der Inhalt der Erste-Hilfe-Sets per Norm vorgeschrieben ist, zeigt eine Prüfung durch die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung und den ACE Auto Club Europa mit fachlicher Unterstützung eines Experten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) deutliche Unterschiede.

Nach einem Autounfall mit Verletzten kann die Hilfe während der ersten Minuten entscheidend sein. Das Gesetz verpflichtet jeden Autofahrer, Verletzten im Rahmen der Möglichkeiten zu helfen. Effektive Hilfe setzt jedoch brauchbares Verbandmaterial an Bord voraus. In Deutschland regelt dies die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) im Paragraph 35h. Auch die Prüfer bei der Kfz-Hauptuntersuchung achten darauf und vermerken bei nicht vorhandenem Set oder überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum einen „geringen Mangel“.

Die StVZO schreibt nicht vor, an welcher Stelle im Fahrzeug das Set unterzubringen ist. Gleiches gilt für die äußere Form der Verpackung, also ob fester Kasten oder Tasche. Sie muss lediglich vor Staub, Feuchtigkeit sowie Kraft- und Schmierstoffen schützen. Die DIN 13164 legt den Inhalt der Sets fest. Neu hinzu gekommen sind seit der letzten Aktualisierung der Norm unter anderem Fingerkuppenverbände, zugeschnittene Pflasterstrips und Feuchttücher.

Die Runde der Testkandidaten besteht aus zehn Sets in Kasten- und Taschenform. Die Preise liegen zwischen fünf und 25 Euro, bezogen wurden die Sets über den Einzelhandel oder das Internet. Gibt es bei der Qualität des Verbandmaterials mehr oder weniger Übereinstimmung - alles entspricht mittlerem Standard und ist zur Notversorgung zu gebrauchen - zeichnet sich in Sachen Dichtheit ab: Verbandkästen sind besser vor Umwelteinflüssen geschützt und stabiler als Taschen. Aber auch unter den Verbandkästen variiert die Qualität der Verschlüsse und Scharniere, ähnliches gilt für die Beschichtungen und Reißverschlüsse der Sets in Taschenform.

Der Testsieger - der Kasten von Pearl - überzeugt durch gute Abdichtung dank einer Doppelkante am Deckel, solide Verschlussteile und klar getrennte Verpackungssegmente: Auf einen Blick ist ersichtlich, welches mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehene, sterile Verbandmaterial austauschpflichtig ist und welche unsterilen Komponenten sich, je nach Zustand, weiter verwenden lassen. Den Preis-Leistung-Sieger des Tests, das Set von Kalff, lobt der Experte des DRK für seine mit leicht zu erfassenden Symbolen gestaltete Innenverpackung, die gleichzeitig fest in der Außenhülle sitzt.

Eine weniger gute Figur gibt in dieser Hinsicht die etwas konfus wirkende und gegen herausfallende Einzelteile unzureichend gesicherte Innenverpackung der Holthaus-Tasche ab. Auf Kritik des DRK-Experten trifft auch die - vermutlich durch Hitzeeinwirkung verursachte - deutlich verzogene Innenverpackung des Verbandkastens vom Typ „Tecar“, einem weiteren Holthaus-Produkt.

Fazit des Tests: Verbandkästen bieten in der Regel eine stabilere und gegen Staub und Flüssigkeiten dichtere Außenstruktur. Verbandtaschen sind kompakter und flexibler im Auto zu verstauen. Mit Blick auf die großen Preisunterschiede der zehn geprüften Erste-Hilfe-Sets stellte sich heraus: Preiswert muss qualitativ nicht schlecht sein.

Ratgeber: So bleiben Erste-Hilfe-Sets funktionstüchtig
  • Beim Kauf eines neuen Erste-Hilfe-Sets unbedingt auf das Verfallsdatum achten, damit man keinen Ladenhüter kauft. Die Steril-Bestandteile sollten mindestens noch vier Jahre haltbar sein.
     
  • Das Erste-Hilfe-Set im Auto sollte regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, geprüft werden. Vorsicht: Das auf Kasten oder Tasche gedruckte Verfallsdatum kann von jenem direkt auf den Verpackungen der sterilen Bestandteile abweichen.
     
  • Sinnvoll ist ein gut sichtbarer Vermerk, an welcher Stelle sich das Set befindet, besonders wenn der Wagen von unterschiedlichen Personen bewegt wird.
     
  • Regelmäßig den Inhalt auf Vollständigkeit überprüfen. Das beiliegenden Inhaltsverzeichnis gibt an, was im Kasten sein muss. Wurden Teile entnommen, sind diese zu ersetzen. Oft ist die Anschaffung eines komplett neuen Sets einfacher und günstiger, als der Ersatz einzelner Komponenten. Andererseits lassen sich unsterile Teile wie die Schere je nach Zustand länger nutzen als abgelaufene Steril-Teile.

 

Sets, die der DIN 13164 entsprechen, erfüllen ebenso die Anforderungen in den meisten anderen europäischen Ländern. Auch für Zweiradfahrer empfiehlt sich, eine Verbandapotheke mitzuführen - wenngleich hierfür in Deutschland keine Pflicht besteht. Dies gilt aber nicht unbedingt für das europäische Ausland, beispielsweise für Österreich, wenn auch der vorgeschriebene Inhalt meist weniger umfangreich sein muss. Auskunft geben hier auch die Automobilclubs.

Info: www.gtue.de