Holz-Hütten: Flex-Home

Benötigte Zeit zum Lesen
3 Minuten
Bisher gelesen

Holz-Hütten: Flex-Home

März 25, 2018 - 07:30
Veröffentlicht in:

Der Trend zum Wohnen auf wenigen Quadratmetern kommt eigentlich aus Amerika. Dort sind die kleinen, oft mobilen „Eigenheime“ auf das Notwendige reduziert - und als „Tiny Houses“ bekannt. 

Auch in Deutschland findet die „Tiny House“-Bewegung immer mehr Anhänger - und es gibt auch immer mehr Anbieter solcher Mini-Behausungen, wie etwa Wolfgang Huchler mit seinen Flex-Homes. Wörtlich übersetzt bedeutet „Tiny House“ etwa soviel wie „winziges Haus“. In den USA wird der Begriff sowohl für Immobilien wie auch für Häuschen auf Rädern verwendet. In Deutschland versteht man unter einem „Tiny House“ üblicherweise eine auf einem Trailer aufgebaute und damit mobile Hütte.

In Zeiten steigender Mieten sind für viele Menschen alternative Wohnmodelle immer interessanter. Denn auf kleinem Raum lebt es sich kostengünstig und obendrein umweltverträglicher und auch flexibler. Downsizing gewissermaßen, auch beim Wohnen. In den USA mag das Leben ist Tiny Houses noch halbwegs problemlos möglich sein, in Deutschland mit seiner überbordenden Bürokratie ist es hingegen nicht ganz so einfach. Denn noch verhindern hierzulande Genehmigungs- und Bauvorschriften zumindest bei den immobilen Tiny Houses eine größere Verbreitung.

Etwas anders sieht das bei den Häuschen auf Rädern aus, die „nur“ die Anforderungen der Zulassungsbehörden und der Straßenverkehrsordnung erfüllen müssen. Auch Wolfgang Huchler aus Gutenzell im oberschwäbischen Landkreis Biberach träumte von einer Art mobilem Gartenhaus auf Rädern. Und er erfüllte sich diesen Traum. Mittlerweile bietet er seine nach Kundenwunsch gefertigte „Flex-Homes“ in unterschiedlichen Größen zum Kauf an.

Huchlers Idee war die eines kleinen - mobilen - Zuhauses, so richtig zum Wohlfühlen. Ganz individuell, nach seinen eigenen Vorstellungen, unter Verwendung natürlicher und heimischer Baumaterialien. Ein Standardmodell schied damit also von vorneherein aus. Wolfgang Huchler machte sich ans Werk und setzte seinen ganz privaten Traum eines mobilen, kleinen Hauses in die Realität um. Handwerklich und im Umgang mit Holz erfahren war er, denn in der eigenen Werkstatt fertigt er schon seit geraumer Zeit qualitativ hochwertige Hochbeete.

Zunächst sah er sich nach einem Anhänger mit Doppelachse um, denn ein stabiler Unterbau muss sein. Mit Kreis- und Kappsäge sowie Akkuschrauber und Hammer bewaffnet machte sich Huchler ans Werk. Sein mobiles Gartenhaus enstand völlig aus Holz. Auch für die Dämmung von Dach und Wänden griff er auf Holzfasern zurück. Denn Huchler ist klar: „Ähnlich wie Zelte können sich auch Tiny Houses schnell aufheizen und abkühlen“. Da der Gutenzeller auf Kunststoff verzichten wollte, konnte natürlich auch der Boden des Hauses für den Anhänger aus nichts anderem als aus Vollholz bestehen.

Auch mit Bad und Bio-Toilette

Das mobile Zuhause bekam eine kleine Küche mit Gasherd und Spüle spendiert, dazu einen ausklappbaren Tisch und zwei Stühle sowie eine Schlafnische mit einem 160 cm breiten Bett. Auf den insgesamt 18 Quadratmetern fand sich sogar Platz für eine Bio-Toilette. Auch ein Strom- und Abwasseranschluss sind vorhanden. Das reicht zwar nicht für Silke und Wolfgang Huchler und die beiden Kinder, Ina und Luis. Aber immerhin sind nach gut 250 Stunden Arbeit alle wesentlichen Merkmale eines „normalen“ Hauses in der rollenden Behausung untergebracht. Für ein gemütliches Ambiente sorgen einzelne, aus Massivholz gefertigte Möbelstücke wie ein Schränkchen in der Küche und der kleine Esstisch. Dennoch musste Huchler besonders auf das Gewicht seines selbst gezimmerten Eigenheims achten. Den es sollte ja noch auf einen Hänger passen. Eine möglichst leichte und zulassungsfähige Konstruktion zu schaffen sei „die größte Herausforderung beim Bau meines Tiny Houses“ gewesen, bekennt Erbauer Huchler. Anhänger und Aufbau durften gemeinsam nicht breiter als 255 Zentimeter und nicht höher als vier Meter werden. Alles zusammen durfte nicht schwerer als 3,5 Tonnen geraten - denn für höhere Gewichte gibt es fast nur noch Transporter oder Lkw als Zugwagen mit entsprechend hoher Anhängelast im Gespannbetrieb. Huchler hatte es einfach, sein Bruder zog sein Gartenhäuschen mit seinem Traktor an den vorbestimmten Platz.

Mittlerweile fertigt Huchler auch für andere. Mit seinen Kunden gemeinsam werden deren Flex Homes nach ihren individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen in unterschiedlichen Grüßen und Ausstattungen geplant und umgesetzt.

Drei Modelle

Das Modell „Gartenhaus“ beispielsweise ist 5,40 x 2,55 Meter groß, komplett gedämmt und mit zwei Sprossenfenstern, Glastür und Elektrik - also Steckdosen und Beleuchtung - ausgestattet. Ein Schlafbereich - mit oder ohne Trennwand - kann in die auf einem Zweiachs-Tandemhänger aufgebauten Hütte eingebaut werden. Für Wärme sorgt eine an der Decke montierte Infrarotheizung. Ab 19.500 Euro ist das Gartenhaus zu haben, für den Schlafbereich kommen weitere 1.000 Euro hinzu.

Mit 6,60 x 2,55 Meter markiert das Modell „Gästehaus“ die mittlere Baureihe. Sie ist - zusätzlich zum Modell Gartenhaus - mit Küche, Spüle, Zweiplatten-Keramik-Kochfeld, Wasseranschluss und Kompost-Toilette ausgestattet. So kann dieses Flex-Home als Gästezimmer, Ferienwohnung, Büro oder Wochenendhäuschen genutzt werden. Zu einem Preis ab rund 24.500 Euro ist dieses Modell zu haben, der Schlafbereich ist serienmäßig mit dabei.

Das Top-Angebot von Flex-Home stellt mit 7,20 x 2,55 Meter das Modell „Luxus“ mit seinen vier Fenstern dar. Mit einem Kaufpreis ab rund 30.000 Euro markiert es auch preislich die Spitze des Angebots. Für das Geld gibt es dann eine Komplettausstattung mit Wohn- und Schlafbereich, Küche, Wasseranschluss, Dusche und Kompost-Toilette.

Fahrgestell mit TÜV

Allen Modellen gemeinsam ist der Aufbau auf einem zweiachsigen Fahrgestell mit TÜV und Zulassung. Als Boden kommt eine zwölf Millimeter starke Siebdruckplatte zum Einsatz, innen ist der Fußboden in Landhaus Fichte ausgeführt. Dazu gibt es eine zehn Zentimeter starke Holz-Gefachdämmung. Der Wohnaufbau selbst ist acht Zentimeter stark. Innen gibt es eine 13 Millimeter starke Fichte Drei-Schicht-Platte, es folgt eine acht Zentimeter dicke Holz-Gefachdämmung, die Außenschalung ist in Nordischer Fichte sägerauh gehalten. Optional sind die Fassaden im von Kunden gewünschter Farbe realisierbar. Außerdem gibt es auch Treppen mit Eingangspodest, Außenbeleuchtung oder zusätzliche Fenster sowie einen Anschluss für einen Holzofen-Kamin.

Info: www.flex-home.de