Vanjoy Campervan: Design oder nicht sein

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Vanjoy Campervan: Design oder nicht sein

September 17, 2018 - 07:30
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Mobiles Büro, Transporter oder Campervan, das alles ist der Vanjoy. Das minimalistische Reisemobil ist noch eine Konzeptstudie, allerdings eine bereits rollende und voll funktionsfähige. Erdacht hat das Mobil der Möbeldesigner Michael Hilgers aus Berlin.

Eigentlich entwickelt Hilgers für namhafte Hersteller erfolgreiche Wohn- und Büromöbel, Küchen, Balkonprodukte - und raumsparendes Mobiliar. Somit ist er schon von Berufs wegen mit knapp bemessenen Räumen gut vertraut. Und auch damit, pfiffige, innovative und platzsparende Lösungen zu entwickeln. Die sind bei Reisemobilen immer gefragt. Minimalistisches und durchdachtes Design, maximale Nutzung des zur Verfügung stehenden Raums, das sollte doch auch in einem Campervan machbar sein. Möglichst zu einem halbwegs günstigen Preis. Rund 72.000 Euro gibt der deutsche Kunde heutzutage im Durchschnitt für sein Reisemobil aus. Hilgers ist optimistisch, dass er seinen Vanjoy für weniger als 40.000 Euro anbieten könnte. Dazu dürfte auch der Fiat Ducato beitragen, den der Berliner Designer als Basisfahrzeug wählte. Nicht nur der attraktive Kaufpreis macht den italienischen Transporter interessant, auch seine vergleichsweise große Innenbreite. Die deutlich teureren Wettbewerber MAN TGE, Mercedes Sprinter oder VW Crafter lassen sich nur mit angebauten Verbreiterungen im Bereich der hinteren Fensterpartien zu einem Querschläfer mit vernünftigen Bettenmaßen ausbauen.

Den Ausbau seines Vanjoy hat Hilgers eigenhändig ausgeführt. Er soll ihm, wie er sagt, auch als eine Art „rollendes Test-Labor“ für seine platzsparenden Lösungen und Ideen dienen. Den fertigen Campervan nutzt der Berliner nicht nur für anfallende Transportaufgaben, sondern auch als rollendes Büro während Messen oder Geschäftsreisen sowie als Freizeit-Mobil. Damit auch Lasten und sperrige Güter transportiert werden können, lässt sich die komplette Einrichtung in wenigen Minuten demontieren. Die Trennwand des Laderaums zum Fahrerhaus hat Hilgers ganz bewusst an ihrem Platz belassen und nicht demontiert. Er schätzt die klare Trennung von Wohnbereich und Fahrerhaus - und dass sich auf diese Weise im Heck auf Reisen und zum arbeiten ein ganz eigener Bereich eröffnet. Außerdem brauchte er auch einen Transporter, um das Material für seine Prototypen zu befördern. Da ein variables Fahrzeug, wie er es sich vorstellte und wünschte, auch nach längerer Suche auf dem Markt nicht zu finden war, baute er es sich eben selbst.

Um im Alltag auch in einer Großstadt wie Berlin mobil zu bleiben, fiel seine Wahl auf den Fiat Ducato mit kurzem Radstand. „Ich wollte auch auf einem normalen Parkplatz stehen können“, sagt der Designer. „Außerdem hatte ich die Idee von einem simplen Camper, ohne jeden überflüssigen Luxus oder Schnickschnack“. Den Anfang machten etliche 3D-Zeichnungen, mit denen Hilgers ein erstes Gefühl für den Raum bekommen wollte. Schließlich steht mit rund viereinhalb Quadratmeter im italienischen Transporter nicht allzuviel Platz zur Verfügung. Und der will eben gut genutzt sein. So hat Hilgers den Wohnraum im Heck in zwei Funktionsbereiche getrennt: Einen für die Körperpflege und zum Kochen, und einen weiteren zum schlafen, relaxen, essen und arbeiten. Sitzmodule können aus dem deckenhohen Schrankbereich auf der Fahrerseite herunter geklappt werden, so ergibt sich etwa eine L-förmige Sitzgruppe. Um den Schlafbereich für die Nacht zu komplettieren, klappt eine Liegefläche für zwei Personen ab. Ansonsten kann dieser Bereich - der über einen variabel an verschiedenen Positionen im Fahrzeug einsetzbaren Tisch verfügt - auch als mobiles Büro genutzt werden.

Verbaut hat Hilgers europäisches Birken-Schichtholz. In der Küche gibt es einen transportablen Gaskocher, eine kleine, versteckt eingebaute Kompressor-Kühlbox und reichlich Stauraum, etwa in den zum Heck hin ausziehbaren Schubladen. Zudem hat Hilgers ein transportables WC und eine simple Außendusche verbaut. Für die auf Reisen erforderliche Privatatmosphäre sorgen magnetisch befestigte Verdunkelungen an den Fenstern. „Durch die blaue Decke und die dunklen Oberflächen der Wände fühlt man sich trotz des eher kleinen Raums nicht beengt, der räumlich Eindrick ist besser und man fühlt sich ein bisschen wie in einer gemütlichen Höhle“, so Hilgers. Damit es sich auch etwas länger in der Wohn-„Höhle“ aushalten lässt, ist der Vanjoy isoliert und mit einer Solaranlage auf dem Dach plus Gel-Batterie ausgestattet.

Üblicherweise fährt Hilgers seinen Vanjoy im Transportmodus, also mit längs angeordneter Bank im Heck. Der Restliche zur Verfügung stehende Raum ist dann bis zu 2,4 Meter lang, einen Meter breit und 1,6 Meter hoch. Mit montiertem Tisch dient der Vanjoy Hilgers als Besprechungsraum, etwa beim Besuch von Kunden. Oder als mobiler Arbeitsraum, wenn fix Ideen festgehalten werden sollen.

Aktuell ist Hilgers auf der Suche nach Partnern für die Produktion seines Vanjoy. „Als ich ihn gebaut habe, brauchte ich vor allem das Holz für den Möbelbau, eine Unmenge Schrauben, einiges technisches Zubehör und: jede Menge Zeit.“ Größter Kostenfaktor ist der Fiat Ducato gewesen, Hilgers denkt aber auch über die Verwendung anderer Basisfahrzeuge nach.

Als potenzielle Kunden für seinen „demokratischen Campervan“ sieht der Berliner „eine neue Generation designaffiner potentieller Vanlifer“. Die sei bisher die von den Herstellern komplett ignoriert worden“, meint der Designer. Und er hofft, dass sie nur darauf warten, „endlich einen zu ihrem Leben passenden Campervan erwerben, mieten oder sharen zu können“.

Info: www.michaelhilgers.de. www.vanjoy.de