Biogas für autarkes Reisen

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Biogas für autarkes Reisen

April 01, 2019 - 08:25
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Trotz hoher Summen die in der Industrie für die Produktentwicklung ausgegeben werden, entstehen viele pfiffige Ideen beim Campen. Dazu zählt auch dieses neuartige Toilettenkonzept.

Vorbild war eine konventionelle Biogasanlage. (Foto: pd)

Der Wunsch nach autarkem Reisen ist einer der meist genannten Gründe für die Anschaffung eines Wohnmobils. Was sich in der Theorie perfekt anhört, ist in der Praxis häufig schwierig. Die Probleme der Ver- und Entsorgung schränken das unabhängige Reisen stark ein.

Ein großes Problem sind die Überreste einst leckerer Mahlzeiten. Die früher häufiger anzutreffenden Fäkalientanks sind durch moderne und leicht zu entsorgende Kassetten ersetzt worden. Ein Problem ist das geringe Fassungsvermögen. Zwischen 16 und 19 Litern stehen einer mehrköpfigen Familien zur Verfügung, was die Verweildauer in der Natur arg einschränkt. Hinzu kommt die wenig umweltfreundliche Toilettenchemie, so dass eine Entsorgung nicht überall umweltgerecht möglich ist.

Bisher konnten sich alternative Lösungen nur begrenzt durchsetzen. Die Verbrenner-Toilette verbraucht nicht nur kostbares Gas, die Umwandlung dauert bei der Nutzung durch mehrere Personen zu lange. Spätestens bei Verdauungsproblemen kommt das System an die Kapazitätsgrenze. Die Trenntoilette verzichtet auf Gas und Chemie. Lediglich für den Lüfter benötigt sie eine geringe Menge elektrischer Energie. Allerdings muss auch hier der Urin regelmäßig geleert werden. Andere Lösungen wie der von HRZ entwickelte „Aqualizer“ haben sich aus Kostengründen nicht durchsetzen können.

Zwei Tüftler aus Mecklenburg-Vorpommern haben jetzt eine völlig neuartige Toilette entwickelt. Dabei können die bisher verbauten Systeme problemlos nachgerüstet werden. Vorbild waren für die beiden Landwirte, die selbst begeisterte Camper sind, die hofeigenen Biogasanlagen. In die Kassette wird eine Fäkalien-Häckslerpumpe integriert. Diese fördert die Fäkalien in eine Anlage, die unter dem Auto angebracht ist. So bleibt das Innere frei von Gerüchen. Durch spezielle Bakterien entsteht im ersten Teil der Anlage in kürzester Zeit Biogas.

Biogas verbrennt klimaneutral, da das entstehende CO2 vorher von Pflanzen aus der Luft gebunden wurde. Es erreicht seinen maximalen Wirkungs- und Versorgungsgrad, wenn es in der so genannten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gleichzeitig zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. In einem speziellen, patentierten System kann so nicht nur Warmwasser sondern auch elektrische Energie erzeugt werden. Der Ertrag bei menschlichen Fäkalien bewegt sich im Bereich tierischen Mists und erreicht damit nicht die Menge wie beispielsweise bei der Nutzung von Mais. Dafür sei, so die Entwickler Manfred Schnacke, die Gasqualität besonders gut.

Übrig bleibt bei dem neuen System hauptsächlich sauberes Wasser, das bedenkenlos in der Natur entsorgt werden kann. Die Qualität entspricht nahezu der von Trinkwasser. Die Menge an verbleibenden Feststoffen entspricht ungefähr der Menge, die auch bei einer Verbrenner-Toilette anfällt. Dieser Stoff kann als Dünger problemlos weiterverwendet werden. Das Gewicht der kompletten Anlage geben die Entwickler mit 21 Kilogramm an, was in etwa einer gefüllten Kassette entspricht. Das System soll auf dem kommenden Caravan Salon erstmals vorgestellt werden. Die Entwickler rechnen mit einem Marktpreis von zirka 1.900 Euro. Zukünftig soll es auch Versionen für Yachten und Wochenendhäuser geben.

Info: www.toigas.eu

Nachtrag vom 2. April
Üblicherweise trudeln in den ersten zwei Wochen des Aprils E-Mails und Briefe in der Redaktion ein. Meistens ist der Tonfall unfreundlich bis beleidigend. Der Tenor der Mails ist "ich kann ja viel Spaß verstehen und bin ein humorvoller Mensch, aber das geht eindeutig zu weit". Hier lassen "humorvolle" Menschen Ihren Frust ab, wenn sie auf einen April-Scherz hereingefallen sind. Hinzu kommen üblicherweise Klageandrohungen aus den unterschiedlichsten Gründen.

Wir geben uns beim Entwickeln und Schreiben der Aprilscherze große Mühen. Häufig müssen die Geschichten einen "Testlauf" im Freundeskreis bestehen. Wir möchten Euch damit eine Freude bereiten, lacht doch mal bitte wieder über Euch selbst. Also liebe Leser, verschont uns mit Euren Beleidungen. Sie beeindrucken uns genauso wenig wie Klageandrohungen. Deswegen aber an dieser Stelle der Hinweis: Bei der obigen Geschichte handelt es sich um einen Aprilscherz!!
Für die "humorvollen" Menschen noch ein Tipp: Überlegt Euch, ob Camping für Euch vielleicht die falsche Urlaubsform ist. Eigentlich gehen wir Camper offen und freundlich miteinander um.