Roaminggebühren – billige Urlaubsgrüße

Benötigte Zeit zum Lesen
2 Minuten
Bisher gelesen

Roaminggebühren – billige Urlaubsgrüße

Juni 15, 2017 - 12:17
Veröffentlicht in:

Roaminggebühren waren bisher ein Ärgernis im beziehungsweise nach dem Urlaub. Für ein paar Urlaubsgrüße flatterten häufig einige Wochen später saftige Mobilfunkrechnungen ins Haus. Dem hat die EU nun einen Riegel vorgeschoben, allerdings zu einem hohen Preis.

Urlaubsgrüße aus der EU sind ab heute billiger. (Foto: pd)

Seit heute ist es soweit, die Roaminggebühren für Mobiltelefone in der EU entfallen . Damit geht ein jahrelanger Kampf der EU gegen die europäischen Provider zu Ende. Bis zum Schluss versuchten die Anbieter, das freie Telefonieren zu verhindern. Allerdings ist nach wie vor Vorsicht bei der Abrechnung geboten, denn das neue Recht bietet auch Stolperfallen zu Gunsten der Konzerne.

Was wird günstiger?

Mit einem normal bestehenden Vertrag kann jetzt im EU Ausland zu den gleichen Kosten telefoniert werden, wie das im Heimatland der Fall ist. Das gilt auch für SMS und Datentarife. Damit gilt eine Deutschlandflatrate auch dann, wenn man aus dem europäischen Ausland eine deutsche Nummer anruft. Gültig ist das für alle Netze in allen Ländern der EU sowie in Lichtenstein, Island und Norwegen.

Keine EU-Flat

Der Wegfall der Roamingkosten ist nicht mit einer Europa-Flatrate zu verwechseln. Wer beispielsweise als deutscher Kunde aus Deutschland die Mobilnummer eines italienischen Campingplatzes anruft, muss die normalen Telefongebühren zahlen. Das können, je nach Betreiber, bis zu mehrere Euro pro Minute sein.

Bestehende Kostenfallen

In der Schweiz und der Türkei fallen nach wie vor Roaminggebühren an. Gerade bei Urlauben an den EU-Außengrenzen sollte man sich vergewissern, in welches Netz man eingebucht ist. Sonst kann es teuer werden. Auch für Verbindungen auf Kreuzfahrtschiffen oder Fähren gelten die neuen Vorschriften nicht, da hier häufig Satellitenverbindungen genutzt werden.

Verträge und AGB prüfen

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Einige Provider haben die Vertragsmodelle geändert und bieten reine Inlandstarife an. In diesem Fall ist das Roaming bei Auslandsaufenthalte weiterhin kostenpflichtig und es müssen Extra-Pakete gebucht werden. Die Provider begründen dies damit, dass sie günstige Tarife für Nutzer bieten wollen, die nicht in das Ausland fahren.

Missbrauchsschutz

Die Anbieter haben sich einen Missbrauchsschutz ins Gesetz schreiben lassen, um einen wirklich freien Telefonmarkt zu verhindern. Der Grund ist einfach. Der Grund ist einfach: Während in Deutschland Tarif mit fünf Gigabyte Datenvolumen bereits ab durchschnittlich 15,- Euro zu haben ist, bekommt man in unseren Nachbarländern zu dem Preis mit 50 Gigabyte das Zehnfache an Volumen. Verständlich, dass die Deutsche Telekom & Co. Das verhindern wollen. Wer also mit einer ausländischen Karte dauerhaft im deutschen Netz eingebucht ist, wird zukünftig unbürokratisch gesperrt.

Der Haken

Gute Lobbyisten lassen sich nicht einfach ein lukratives Geschäftsmodell wegnehmen. Das gilt auch für die Roaminggebühren. Anstatt dieses Gesetz einzeln zu verhandeln, wurde es in der Vorlage an eine weitere Änderung gekoppelt: Der Netzneutralität. Bisher wurden alle Inhalte im Internet gleich schnell wiedergegeben. Jetzt können Internetprovider bestimmten Datenverkehr drosseln und anderen bevorzugen. Damit wird das Internet zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Nur wer extra bezahlt, bekommt seine Daten schnell transportiert. Gerade für Online-Shops kann dies existenzbedrohend sein, wenn beispielsweise große US-Shops dafür sorgen, dass deren Seiten viel schneller ausgeliefert werden. Dies gilt übrigens europaweit ohne Ausnahmen. Über dieses Thema spricht EU Kommissar Oettinger aber nicht so gerne. Er feiert sich lieber für den Wegfall der Roaminggebühren.