Niedersachsen startet Geschwindigkeitsmessung per Section Control

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Niedersachsen startet Geschwindigkeitsmessung per Section Control

Januar 05, 2016 - 08:22
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Seit Jahresbeginn setzt Niedersachsen ein neues Verfahren zur Geschwindigkeitsüberwachung in der Region Hannover ein.

Bei der Abschnittskontrolle wird an Hand der benötigten Zeit die Geschwindigkeit zwischen zwei Messpunkten ermittelt. (Foto: jn)

Seit dem ersten Januar 2016 ist in Hannovers Süden auf der Bundesstraße 6 zwischen Laatzen und Gleidingen die erste Geschwindigkeitsüberwachung per Abschnittskontrolle in Betrieb. Dieser drei Kilometer lange Abschnitt gilt als besonders unfallträchtig. Durch eine komplette Überwachung sollen die Unfallzahlen deutlich gesenkt werden.

Bei herkömmlichen Kontrollen mit Radargerät, Lichtschranke, Induktionsschleife oder Laser kann immer nur punktuell gemessen werden. Das Ergebnis: Gerade bei stationären Blitzern bremsen Autofahrer stark um anschließend wieder zu beschleunigen. Das eigentliche Ziel, die Geschwindigkeit an Unfallschwerpunkten zu verringern, geht damit verloren.

Bei der Abschnittskontrolle funktioniert das nicht. Hier werden zwei Messstellen aufgebaut. Die Entfernung zwischen den beiden Punkten beträgt meist mehrere Kilometer und ist exakt vermessen. Fährt ein Fahrzeug durch die erste Messstelle, wird das Kennzeichen gescannt und die exakte Zeit erfasst. Anhand der Strecke und der Höchstgeschwindigkeit lässt sich errechnen, wie lange ein Fahrzeug mindestens benötigt. Ist das Fahrzeug zu früh an der zweiten Messstelle, war es zu schnell und wird nicht nur gescannt sondern auch fotografiert um später einen Beweis zu haben.

Allerdings gibt es auch datenschutzrechtliche Bedenken gegen das neue Verfahren. Der Grund ist, dass an den Messpunkten auch die Kennzeichen der Fahrzeuge erfasst werden, die nicht zu schnell fahren. Der Bundesgerichtshof hatte schon vor Jahren eine generelle Erfassung sämtlicher Fahrzeuge zur polizeilichen Auswertung für nicht zulässig erklärt. Gerade in Anbetracht der Abhör- und Datenskandale der letzten Jahre ist hier sicherlich Vorsicht geboten. Der Hersteller betont, dass bei korrekter Geschwindigkeit die Daten sofort automatisiert gelöscht werden.

Info
Berechnung der Zeit

Die Berechnung der benötigten Zeit bei korrekter Geschwindigkeit ist einfach. Die Formel lautet:
(60 : Höchstgeschwindigkeit) x Strecke in Kilometern = Fahrtzeit in Minuten

In unserem Beispiel vom oberen Bild wären das
(60 : 100) x 4 = 2,4 Minuten, was zwei Minuten und 24 Sekunden entspricht.

Bei der Fahrtzeit handelt es sich um die Mindestzeit für diese Strecke. Wer weniger Zeit benötigt, hat eine zu hohe Durchschnittsgeschwindigkeit und wird zur Kasse gebeten.

Berechnung der Geschwindigkeit

Will man die Geschwindigkeit errechnen, lautet die Formel
(60 : Fahrtzeit in Minuten) x Strecke in Kilometern = Geschwindigkeit

Angenommen wir hätten für die Strecke zwei Minuten benötigt:
(60 : 2 Minuten) x 4 km = 120 km/h

In diesem Fall wären wir im Durchschnitt 120 Stundenkilometer gefahren und hätten anschließend Post von der Bußgeldstelle bekommen.