Matsch Fun: Die 20-te Ausgabe der „Abenteuer & Allrad“

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Matsch Fun: Die 20-te Ausgabe der „Abenteuer & Allrad“

Juni 06, 2018 - 15:17
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Allradgetriebene Fahrzeuge liegen im Trend. Nicht nur bei den SUVs, sondern auch - und gerade - bei den Campervans.

Der Moghome von Ziegler Adventure (Foto: Werk)

Kein Wunder, dass die weltgrößte Allradmesse, die „Abenteuer & Allrad“ in Bad Kissingen, bereits am ersten Besuchtertag ihrer Jubiläumsveranstaltung einen neuen Rekord verbuchen konnte: Rund 23.400 Interessierte fanden bei strahlendem Sonnenschein den Weg aufs Messegelände.

Dort erwarteten sie noch mehr Ausstellungsfläche als in den Vorjahren. Rund 300 Aussteller aus allen Kontinenten zeigten ihre Fahrzeuge und das für Reisen abseits des Asphalts notwendige Zubehör und Equipment. Welche Bedeutung der Allradantrieb in der Szene der Reisenden mittlerweile hat, das zeigen etwa die Zahlen von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Dort rollen mittlerweile mehr als die Hälfte aller Californias mit dem traktionsfördernden Allradantrieb vom Band. Kein Wunder, dass die Hannoveraner nun schon seit einigen Jahren auf der Messe in Bad Kissingen vertreten sind. Damit zeigen sie deutlich sichtbar Präsenz in einem wachsenden Markt, während andere Hersteller wie etwa Mercedes-Benz auf der weltgrößten Allrad-Messe immer noch durch Abwesenheit glänzen. Jeep, in den vergangenen Jahren als einer der wenigen Geländewagen-Bauer noch mit einem eigenen Stand vertreten, war in diesem Jahr nicht dabei. Auch Toyota, wo man ebenfalls noch „echte“ Geländewagen im Programm hat, bleibt der Messe fern. Die Japaner überlassen die Präsentation vor Ort offenbar lieber der authentischen Fangemeinde der Internet-Community Buschtaxi rund um Alexander Wohlfarth. So blieb es Land Rover und VWN vorbehalten, die Fahnen der Hersteller hochzuhalten. Volkswagen zeigte dabei nicht nur die eigenen Fahrzeuge wie Amarok, Caddy, Crafter und den Bulli, sondern auch die Mobile verschiedener Aus- und Aufbaupartner.

So präsentierte Reimo aus Egelsbach als Premiere einen neuen Ausbau für den Crafter, der bald in Serie gehen soll. Er verfügt über eine auf den Crafter abgestimmte V3000-Schlafsitzbank mit einer mindestens 195 x 138 cm großen Schlaffläche. Mit gedrehten Fahrerhaussitzen ist eine Sitzgruppe für vier Personen realisierbar. Zudem verfügt der Ausbau über ein Raumbad im Heck. Ebenfalls auf der Basis des Crafter baut Schwabenmobil seinen Florida Tango. Er bietet unter anderem zwei Längsbetten, pfiffige Staufächer und eine beleuchtete Bar.

Premiere auch bei Ququq. Ulrich Vielmetter zeigte in Bad Kissingen seine neue Bus Küchenbox mit Faltmatratze für den Multivan mit Schlaf-Sitzbank. Mit einer Faltmatratze statt einem Klappbett gibt es erhöhten Liegekomfort bei geringerem Gewicht und günstigeren Kosten. Mit der Campingbox kann ein Transporter in wenigen Minuten vom Alltagsfahrzeug in ein Mini-Mobil verwandelt werden. Auch bei Vanessa Mobilcamping gibt es Angebote für den VW Bus, etwa den California Beach. Die Küche bietet Spüle, Wassertank, Gaskocher, Stauschubladen und eine Kühlbox-Vorbereitung. Außerdem biietet das Unternehmen einen WC-Modulturm, Beachtisch, Schlafauflage und einen Kaffeebar-Aufsatz an. Für Fernreisen und Alltag sollen die Ausbaulösungen von Terracamper taugen. Die Hagener zeigten ihren Terock mit Xtreme Open Sky Dach sowie einen für Fernreisen konzipierten Tescout, ebenfalls mit Open Sky Dach. Traditionshersteller Westfalia hatte einen Reise- und Alltagsallrounder dabei. In dem Club Joker City sind Schlafraum, Küche, Wohnraum und Bad unter einem Dach vereint. Bei Campmobil Schwerin war ein Camper mit vier Schlafplätzen, Heckküche auf einem Doppelboden, separater Sitzbank und Quick-Out Schrank zu sehen. Ebenfalls mit Reisemobilen auf Basis des Transporter Basis vertreten waren Fischer Wohnmobile mit dem Octobus und Werz Wohnmobile. Wenn es um Allrad und VW geht, dann darf natürlich auch Seikel nicht fehlen. Der Allrad-Spezialist bietet für alle VW Nutzfahrzeuge Offroad-Pakete an, die etwa Schutzplatten für Tank und Unterboden oder Fahrwerkshöherlegung umfassen. Erstmals mit bei der „Abenteuer & Allrad“ dabei ist die Firma Tonke aus den Niederlanden, die seit geraumer Zeit auch pfiffige Ausbauten für den VW Bus anbietet.Individuelle Reisemobile nach Kundenwunsch fertigt Erhard Behl. Als Basisfahrzeug kommt bei ihm auch der allradgetriebene Mercedes-Benz Vito zum Einsatz, der nach Umbau über bis zu vier Schlafplätze verfügt.

Noch nicht wirklich bei den Allradlern angekommen zu sein scheint der Ford Transit. Der ist in der 4x4-Version nur in ein, zwei Exemplaren auf dem Messegelände zu sehen. Überraschend fix von den Ständen verschwunden ist auch der Defender, eines der Lieblings-Autos der Fernreisenden. Nach seiner Produktionseinstellung sind zwar die Preise für gebrauchte Defender deutlich nach oben gegangen, auf der Messe spielt er jedoch kaum noch eine Rolle. Anders sieht das beim Wettbewerber Toyota aus. Etliche Land Cruiser - wenn auch meist nicht vom deutschen Importeur - sind in Bad Kissingen zu sehen, in eher flacher Ausführung mit aufstellbarem Schlafdach oder, etwas höher geraten, mit festem Hochdach. Das bietet den Vorteil der durchgängigen Stehhöhe und der besseren Isolierung. Vor allem für Reisende, die im Norden oder in der kalten Jahreszeit unterwegs sind, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Seit über drei Jahrzehnten auf dem Markt ist die kantig gezeichnete G-Klasse von Mercedes-Benz. Sie ist bei solventen Kunden als Basis für robuste und geländetaugliche Fernreisemobile nach wie vor äußerst beliebt. Wer etwas mehr Raum braucht, wird bei den Allrad-Umbauern des Sprinter fündig. Klar, dass auch die Spezialisten von Oberaigner und Iglhaut nicht auf der Messe fehlen durften. Ähnliche Abmessungen wie der Sprinter bietet auch der MAN TGA. Auch der war bereits auf der „Abenteuer & Allrad“ zu sehen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der neue „kleine“ MAN Transporter - ebenso wie der VW Crafter - auf großes Interesse unter den Fernreisenden stößt.

Gut vertreten waren auch die Pick-Ups, bei denen die X-Klasse von Mercedes-Benz ihren ersten Auftritt in Bad Kissingen hatte. Die üblichen Verdächtigen wie Bimobil, Nordstar oder Tischer bieten selbstverständlich auch für den Allrad-Pritschenwagen mit Stern ihre (absetzbaren) Wohnkabinen an. Die Aufbauten können am Urlaubsort abgesetzt - und bewohnt - werden, das Basisfahrzeug steht dann für Erkundungsfahrten in die Umgebung zur Verfügung.

Wer seinen Pick-Up nicht für mit einer Kabine beladen will, bekommt bei Vanessa auch eine kleinere Lösung. Auf einem Schwerlastauszug mit 250 Kilogramm Tragkraft sitzt eine Küchenzeile mit Kühlbox, Kocher und Spüle sowie Platz für Geschirr und Vorräte. In Kombination mit einem Dachzelt lässt sich ein allradgetriebener Pick-Up so auch ohne großen und voluminösen Wohnaufbau reisetauglich gestalten.

Dachzelte bringen den für Reisen notwendigen Schlafraum auch aufs Dach eines x-beliebigen Geländewagens oder SUVs. Je nach Größe und Ausführung können bis zu drei, vier Personen in luftiger Höhe nächtigen, geschützt vor krabbelndem Ungeziefer. Die Dachzelte sind minutenschnell aufgebaut und können nach der Reise in der Garage aufbewahrt werden.

Das andere Ende der Skala an reisetauglichen Mobilen markieren Fernreise- und Expeditions-Fahrzeuge der schweren Klasse, aufgebaut auf hochgeländegängigen Lkw, etwa von MAN, Iveco oder Mercedes-Benz. Vor allem die Abteilung der Special Trucks von Mercedes bemüht sich in letzter Zeit wieder verstärkt um die Auf- und Ausbauer. Das ist in Bad Kissingen deutlich an der Präsenz zahlreicher Unimogs zu sehen, die in den vergangenen Jahren auf der Messe kaum noch vertreten waren.

Der Unimog, gleich ob als U 4023 oder U 5023, kommt in seiner hochgeländegängigen Ausführung abseits befestigter Straßen und Wege selbst dort noch weiter, wo andere bereits längst aufgeben mussten. Dafür sorgen seine Portalachsen, der zuschaltbare Allradantrieb, Differenzialsperren in beiden Achsen und ein extrem verwindungsfähiger Fahrzeugrahmen. Bei der Reifendruck-Regelanlage Tirecontrol plus lässt sich der richtige Reifendruck durch voreingestellte Modi „Straße“, „Sand“ oder „Schlechtweg“ einfach und automatisch per Knopfdruck wählen. Positiv ist auch die Single-Bereifung des Unimog, bei der die Hinterräder den Vorderrädern in einer Spur - und damit auf der bereits verdichteten Fahrfläche - folgen. Aus 5.132 ccm Hubraum holt der Vierzylinder-Diesel des Unimog 170 kW / 231 PS, sein maximales Drehmoment liegt bei 900 Nm. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 14,5 Tonnen bietet der Kult-Allradler als Fernreise-Mobil ausreichend Zuladung.

Der Zetros kombiniert als „Hauber“ die extreme Geländegängigkeit des Unimog mit der hohen Nutzlast eines schweren Lkw kombiniert. Permanenter Allradantrieb, ein zweistufiges Verteilergetriebe, Differenzialsperren und eine hohe Verwindungsfähigkeit des Fahrgestells sorgen für ein Traktion. Aggregate und Komponenten des Zetros stammen aus der Lkw-Großserie. Für den Antrieb ist ein Reihen-Sechszylinder mit 7,2 l Hubraum und 240 kW / 326 PS Leistung zuständig, der optional mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe gekoppelt werden kann. Die maximale Achsverschränkung beträgt 2 x 500 mm, die Watfähigkeit liegt bei bis zu 1.190 mm, die Steigfähigkeit bei 80 Prozent.

Seit längerer Zeit fertigt Bimobil Expeditionsmobile auf Basis des Unimog. Der Wohnaufbau des Modell EX 435 ist über eine doppelte Drei-Punkt-Lagerung mit dem Fahrgestell verbunden. Damit wird die Verschränkung des Fahrzeugs im Gelände nicht eingeschränkt, die Wohnkabine ist dennoch spannungsfrei gelagert. Der Wohnraum der EX 345 Kabine ist hell und sachlich gehalten. Im Heck verfügt das Fahrzeug über eine Rundsitzgruppe. Das darüber befindliche, elektrisch absenkbare Hubbett bietet eine Liegefläche von 150 x 198 cm bei einer lichten Höhe von einem Meter.

Bliss Mobil aus den Niederlanden nutzt für seine Wohnaufbauten die Vorteile des Containersystems. Fahrgestelle mit Radständen zwischen 3.250 und 5.400 mm können so mit entsprechenden Wohnkabinen versehen werden. Der etwa 4,2 Tonnen schwere Expeditionsaufbau für den Zetros bietet Lebensraum für bis zu vier Personen und hat die gleichen Abmessungen wie ein Frachtcontainer. Damit kann er wie ein Container transportiert oder verschifft werden. In zwei Tanks lassen sich 565 Liter Frischwasser bunkern. Sechs Solarmodule leisten insgesamt rund 1,9 kW. Mit zusätzlichen Dieseltanks sind Reichweiten von bis zu 2.500 Kilometer realisierbar. Der 13 ft Aufbau des Unimog wiegt etwa 2.300 kg und stellt auf dem Unimog UHN ein Expeditions-Fahrzeug für zwei Personen dar. Das Standard-Modell verfügt über einen Wasservorrat von 300 Liter.

Seit gut drei Jahrzehnten baut Bocklet individuelle Fernreisemobile nach Kundenwunsch, etwa den Dakar U690 auf Basis des Unimog U 4023. Mit einer Gesamtlänge von 6,87 Meter bei einer Breite von 2,34 Meter ist der U690 für ein Fernreisemobil relativ kompakt ausgefallen. Der GfK-Kofferaufbau bietet innen bei einer Breite von 220 cm eine Länge von 4,25 Meter und eine Stehhöhe von 1,95 cm. Die Tanks für Frisch- und Abwasser haben 250 bzw. 130 Liter Fassungsvermögen und sind innenliegend und beheizt untergebracht. Für anständige Reichweite sorgt ein Kraftstoffvorrat von 240 plus 60 Litern. Ans Fahrerhaus schließt sich das Sanitärabteil mit Waschbecken, Dusche und Kassetten-WC an. Mittig auf der Fahrerseite ist der Küchenblock angeordnet, mit zweiflammigem Kocher, Spüle und 80 Liter fassendem Kompressor-Kühlschrank. Den Heckbereich nimmt die Schlafstatt mit einer Liegefläche von 200 x 130 Zentimeter ein.

Auf dem Gemeinschaftsstand von Mercedes-Benz Special Trucks und dem Unimog-Spezialisten Hellgeth gab es gleich mehrere interessante Exponate: Etwa eine Unimog U 5023 Doppelkabine mit weitreichender Veredlung durch Hellgeth Engineering, ein U 4023 Fahrgestell für Wohnmobil-Aufbauten oder ein Zetros Fahrgestell. Die Spezialität von Hellgeth Engineering sind die Steigerung von Leistung und Drehmoment (bis zu 1.200 Nm) sowie diverse Ausstattungsmöglichkeiten. Dazu zählen spezielle Fahrwerksoptionen, Leichtmetallfelgen oder optimierte Geräusch- und Wärmeisolierungen für gesteigerten Komfort.

Unicat aus Dettenheim bei Karlsruhe ist bekannt als Spezialist für exklusive Fernreise- und Expeditionsmobile. Neben Aufbauten auf MAN-Basis zeigte das Unternehmen auch ein Fahrzeug auf Unimog. Die Besonderheit des Mobils ist seine mit einem Hubdach ausgestattete Wohnkabine, die das Fahrzeug im Fahrtbetrieb relativ flach hält. Im Stand wird das Dach komplett hochgefahren und sorgt so für einen großen und sehr geräumigen Wohnbereich.

Robust und geländetauglich ist der Unimog U 4023 mit dem Wohnaufbau von Ziegler Adventure. Zur Ausstattung des Fahrzeugs zählen eine Küche mit Mikrowelle-/Backofen-Kombination, Induktions-Kochfeld und Wasserfilteranlage. WC- und Duschbereich sind getrennt, geschlafen wird in einem absenkbaren Hubbett über der Sitzgruppe. Preislich landet man bei allen Fahrzeugen der „großen Klasse“ locker im sechsstelligen Bereich. Gerüchten zufolge überlegen die Stuttgarter, ob sie es vielleicht dem Wettbewerber VWN gleich tun - und künftig auch mit einem eigenen Stand auf der „Abenteuer / Allrad“ vertreten sein werden. Das interessierte Publikum würde sich sicher über den Zuwachs freuen. Vielleicht wird es ja was, zur 21-ten oder 22-ten Messe in Bad Kissingen.

Info: www.abenteuer-allrad.de