Reisemobilsitze - Wie man sitzt, so fährt man

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Reisemobilsitze - Wie man sitzt, so fährt man

April 29, 2015 - 16:31
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Fahrerhaussitze in Reisemobilen müssen oft in Doppelfunktion für ermüdungsfreies und entspanntes Sitzen beim Fahren sorgen und sollen auch bequemes Sitzmöbel im Stand sein. Hier Informationen zum guten Sitz.

Wie kaum eine andere Komponente entscheiden die Sitze im Reisemobil über Wohlbefinden und damit auch über das Reiseerlebnis. Man verbringt man nicht nur lange Stunden der Fahrt auf ihnen, sondern nutzt sie auch zur Erholung und für die Mahlzeiten. Damit wird jeder gute Wohnmobil-Sitz zum Multitalent in Sachen Sicherheit, Komfort und Ergonomie. Die Sitzergonomie von Reisemobilsitzen unterscheidet sich stark von normalen Pkw Sitzen. Die meisten Reisemobilsitze sind optimiert auf die Nutzungsdauer 80 Prozent Wohnen und 20 Prozent Fahren. Das sollte schon bei der Streckenplanung berücksichtigt werden. Zur optimalen Einstellung der Sitzposition hilft ein möglichst großer Verstellbereich.

Mindestanforderungen

Mindestens einstellbar sollte sein: Rückenlehnenneigung, Sitzflächenneigung, Sitzhöhe, Abstand zum Lenkrad. Wichtig ist auch, dass sich die Rückenlehne mithilfe einer Lordosenstütze so einstellen lässt, dass die Wirbelsäule ihre natürliche S-Form bilden kann. Das fördert die richtige Beckenstellung um den Bandscheibendruck gering zu halten und die Belastung gleichmäßiger zu verteilen. Man sollte auch darauf achten, dass am Sitz alle Funktionshebel und Griffe sich dort befinden, wo auch die Verstellung erwartet wird. Sie sollten gut erreichbar und leicht zu greifen sein. Die Bedienung sollte selbsterklärend und einfach sein. Bestes Beispiel hierfür: Der Griff für die Rückenlehnenverstellung ist auch an der Rückenlehne.

Seitenhalt und Armlehnen

Ein guter Sitz bietet optimalen Seitenhalt der den Körper stützt aber gleichermaßen den Komfort berücksichtigt. Hilfreich ist auch eine Klimatisierung des Sitzes. Sie beugt Stauwärme und Schwitzen vor. Das erhöht den Komfort und die Aufmerksamkeit. Eine gute, nicht zu weiche Polsterung unterstützt die Wirbelsäule, dämpft Vibrationen, bietet Halt und nimmt Feuchtigkeit auf. Wichtig sind Armlehnen, die im Winkel einstellbar sind und sich bei Nicht-Gebrauch wegklappen lassen.  Eine integrierte oder separate Kopfstütze ist obligatorisch um Verletzungen der Halswirbelsäule bei Unfällen zu vermeiden.

Richtiges Sitzen ist wichtig

Jede statische Haltung ist auf Dauer gesundheitsschädlich. Der Körper regelt das Wechselspiel von Statik und Dynamik, von Belastung und Entlastung ganz unbewusst und autonom. Jeder wechselt beim Stehen ganz automatisch nach einiger Zeit in eine andere Haltung. Auch beim Sitzen - und ganz besonders bei langen Fahrten während einer Urlaubsreise sollte diese Dynamik eine wichtige Rolle spielen. Regelmäßiges verändern der Sitzposition nach dem Motto „Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste“ schützt vor Verspannungen, da immer wieder unterschiedliche Muskel und Körperbereiche beansprucht und entlastet werden.  Aber nicht nur die richtige Sitzposition ist auf langen Fahrten wichtig. Auch auf genügend Pausen mit etwas Gymnastik und ausreichend Bewegung sollte Wert gelegt werden.

Reisemobilfahrer sollten deshalb bei der Entscheidung welchen Sitz sie einbauen, folgende Punkte beachten:

Die Kopfstütze

Egal ob im Sitz integriert oder verstellbar muss sie in der Höhe mit der Oberkante des Kopfes abschließen (früher glaubte man, die Oberkante Augen- beziehungsweise Ohrenhöhe sei ausreichend). Der Abstand von Kopfstütze zum Kopf soll in der Fahrposition möglichst gering sein (eine Handbreite beziehungsweise maximal drei Zentimeter). Eine richtig eingestellte Kopfstütze kann bei einem Crash das sogenannte Schleudertrauma wesentlich vermindern.

Die Rückenlehne

Nicht zu unterschätzen ist hierbei auch die richtige Position der Rückenlehne, diese sollte möglichst senkrecht eingestellt werden, damit die Wirbelsäule eine weitgehend natürliche, belastungsarme Form behalten kann.

Die Armlehne

Armlehnen sollten paarweise vorhanden, und in der Position verstellbar sein – das entlastet die Arme bei Langstrecken und ist auch gemütlicher wenn das Fahrzeug steht und die Sitze mittels Drehkonsole in den Wohnraum integriert werden können.

Der Sitzbezug

Sitzbezüge beziehungsweise Polsterstoffe werden in der Regel vom Fahrzeughersteller bestimmt, man sollte aber auch hier auf eine gewisse Qualität achten. Einige Sitzhersteller verwenden ausschließlich atmungsaktive Stoffe, manche bauen sogar ein Ventilationssystem ein. Eine Sitzheizung ist vor allem bei Lederbezügen zu empfehlen und sollte im Sitz- und im Rückenteil eingebaut sein. Die Wohltat einer Sitzheizung wissen nicht nur „Laternenparker“ sondern auch „Bandscheibengeschädigte“ sehr schnell zu schätzen.

Die Sitzform

Die Sitzform sollte möglichst ergonomisch beschaffen sein.  Wichtig ist dabei, dass Oberschenkel, Becken und Wirbelsäule gut anliegen. Vorhandene Seitenwangen sollen am Körper anliegen ohne ihn dabei einzuengen. Die Länge der Sitzfläche sollte so sein, dass die Pedale leicht erreichbar sind und bei voll durchgetretenen Pedalen kein zu starker Druck auf die Oberschenkel entsteht. Die Länge ist richtig, wenn der Abstand zwischen Kniekehle und Sitzkante etwa zwei bis drei Finger beträgt.

Die Sitzeinstellungen

Lendenwirbelstützen auch Lumbar- oder Lordosenstützen genannt, sollen zusätzlich die natürliche Form der Wirbelsäule unterstützen (meistens nur gegen Aufpreis erhältlich, lohnt sich jedoch). Die Einstellung sollte so gewählt werden, dass die S-Form der Wirbelsäule unterstützt wird, aber nicht zu stark dagegen drücken. Höhen- und Neigungsverstellung unterstützen die Ergonomie der Sitzposition. Optimal angepasste Sitzhöhe sowie Sitz- und Lehnenneigung  tragen sehr viel zum entspannten Fahren bei.

Drehkonsolen

Drehkonsolen insbesondere für Fahrer- und Beifahrersitze erlauben, sofern genügend Platz zum Drehen vorhanden ist, die Integration dieser Sitze in den Wohnraum. Das sonst ungenutzte Führerhaus wird somit zum Wohnzimmer. Allerdings sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Gurtschloss des Sicherheitsgurtes beim Drehen des Sitzes mitfährt. Gurtschlösser sollten auf keinen Fall am Boden liegen bleiben da sonst die Gefahr besteht dass Sie überfahren und dadurch beschädigt werden können.

Sicherheitsgurte

Sicherheitsgurte sollten auf allen Sitzplätzen vorhanden sein. Mindestens Beckengurte bei den genutzten Sitzplätzen im Wohnraum. Fahrer- und Beifahrersitzplätze müssen mit Dreipunktgurten ausgerüstet sein. In Originalkarosserien sind die Gurte bereits vorhanden und können verwendet werden. Sitze mit integrierten Dreipunktgurten kommen dort zum Einsatz wo bauartbedingt keine Gurtverankerungspunkte in der Fahrzeugwand vorhanden sind. Solche Sitze können nur durch spezielle Fachbetriebe montiert werden. Sie unterliegen wesentlich höheren Sicherheitsanforderungen als herkömmliche Sitze. Sowohl bei der Verankerung im Fahrzeugboden als auch in ihrer eigenen Festigkeit. Bei der Auswahl eines solchen Sitzes sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass das Gurtschloss beim Drehen des Sitzes mit dreht. Außerdem sollte der Retraktor im Sitz liegen und der Umlenkbeschlag beim Gurtaustritt in Schulterhöhe gut abgepolstert ist, um Verletzungen beim Ein- und Aussteigen vorzubeugen. 
Info: www.aguti.de

Diese Funktionen sollte ein guter Reisemobilsitz haben

-          Wirbelsäulengerechte Grundstruktur

-          Ausreichende Bemaßung von Rückenhöhe, Kopfstütze und Sitzfläche

-          Rückenlehnenneigung

-          Sitzflächenneigung

-          Sitzhöhenverstellung

-          Lordosenstütze

-          Heizung - Ventilation

-          verstellbare Armlehnen

-          gut erreichbare Bedienelemente

-          Drehkonsole