Kurztest – Cristall Landstar EWS

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Kurztest – Cristall Landstar EWS

Dezember 25, 2016 - 11:25
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Reisemobile aus England führen in Deutschland ein Schattendasein. Warum haben es englische Motorcaravans so schwer in Deutschland? Sowohl Tür als auch Lenkrad sind „auf der richtigen Seite“. Häufig liegt der Grund in dem fehlenden Händlernetz oder den manchmal etwas ungewöhnlichen Grundrissen der Fahrzeuge.

 

Mit dem Cristall Landstar EWS will Lunar Marktanteile in Deutschland gewinnen. (Foto: jn)

Mit der Marke Cristall möchte der britische Hersteller Lunar Marktanteile in Deutschland erobern. Besonders im Bereich der kleinen Campingbusse und der Kastenwagen verspricht sich Cristall gute Erträge. Bei den Kastenwagen bietet Cristall zwei Grundrisse an. Jeder Grundriss ist neben der Standardversion auch noch in einer, der hier vorgestellten S-Edition erhältlich.

Das Äußere unterschiedet sich kaum vom Serien-Sprinter. Mit den Alufelgen, der Lackierung in Anthrazit-Metallic und einer dezenten Folierung hinterlässt der Mercedes einen edlen Gesamteindruck. Hinzu kommen technische Details wie vollautomatische Trittstufe oder eine elektrische Schiebetür, die das Ein- und Aussteigen luxuriös gestalten. Die Grundausstattung des Landstar ist bei den meisten deutschen Herstellern nur gegen Aufpreis zu haben. So gehören Tempomat, Klimaanlage, Parksensoren vorne und hinten sowie elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel ebenso zur Cristall- Grundausstattung wie Markise und Solaranlage.

Fahrleistung

Der Sprinter macht das Reisen zum Vergnügen. Die 163 Pferdestärken sorgen für ausreichend Vortrieb. Wer es etwas sportlicher möchte, findet im Mercedes-Systemregal auch leistungsfähigere Motor-Getriebekombinationen. Für das normale Reisen ist die Motorisierung des Testfahrzeugs aber jederzeit ausreichend. Besonders komfortabel ist das Automatikgetriebe. Während andere Hersteller automatisierte Schaltgetriebe verbauen, verfügt der Sprinter noch über eine echte Wandlerautomatik. Dieses Getriebe arbeitet fehlerfrei, der Wechsel der Fahrstufen findet butterweich statt.

Auch im Bereich Ergonomie, Rundumsicht und Sitzqualität punktet der Transporter mit dem Stern. Gerade die Kombination mit Tempomat und Automatikgetriebe ist komfortabel. Damit fängt auch für den Fahrer der Urlaub schon beim Start des Motors an. Der Mercedes Sprinter definiert im Kastenwagen-Segment das obere Ende der Messlatte.

Der Wohn- und Schlafbereich

Der Grundriss des Landstar EWS ist ungewöhnlich für einen Kastenwagen. Direkt im Anschluss an die beiden drehbaren Vordersitze schließt sich der Wohnbereich an, der zugleich auch der Schlafbereich ist. Eine lange Couch auf der Fahrerseite lädt mittags zu einem schnellen Nickerchen ein. Auf der Beifahrerseite ist das Sofa auf halbe Länge zusammengeschoben und muss erst in den Eingangsbereich auseinandergezogen werden. Durch ein großes, ausziehbares Mittelstück mit Lattenrost lassen sich die so entstandenen Einzelbetten zu einer, für diesen Fahrzeugtyp großen Liege verbinden. 

Auch wenn der Bettenbau deutlich schneller vonstatten geht als der Umbau herkömmlicher Halb-oder Volldinetten, dürfte diese Variante nicht jedermanns Geschmack sein. Im Gegenzug bekommt man tagsüber allerdings eine sehr großzügige Sitzgruppe mit hochklappbaren Beistelltischen, die deutlich mehr Komfort bietet, als die sonst üblichen Halbdinetten.

Die Küche

Direkt hinter dem Wohnbereich schließt sich auf der Fahrerseite der Küchenbereich an. Hier kann der Landstar EWS seine Wurzeln nicht verleugnen, schon auf den ersten Blick erkennt man die typisch englische Ausstattung. Speziell in diesem Bereich wäre der Hersteller sicherlich gut beraten, eine deutsche beziehungsweise kontinentaleuropäische Variante anzubieten. Doch wo liegen die Unterschiede? Für englische Fahrzeuge typisch ist die eingebaute Mikrowelle. Sie gibt es sowohl in einer 12-Volt als auch in einer 230-Volt-Variante. In Deutschland hat sich die Mikrowelle in Freizeitfahrzeugen (noch) nicht durchsetzen können. Camper scheinen doch lieber "richtig" zu kochen. Ähnlich sieht es aus mit dem Herd von Thetford.

Es handelt sich um ein Multifunktionsgerät, das neben drei Gasflammen nicht nur eine weitere elektrische Kochplatte anzubieten hat, sondern zusätzlich noch mit Backofen und Grill ausgestattet ist. So luxuriös diese Variante auch sein mag, im Kastenwagensegment ist dieses "Kochgerät" doch eher Platzverschwendung. Den ohnehin knappen Raum hätte man sicherlich besser nutzen können. Der deutsche Camper ist üblicherweise mit einer Spüle und einem zweiflammigen Herd im Kastenwagen ausreichend bedient.

Der Sanitärbereich

Nasszellen fallen in den meisten Kastenwagen knapp aus. Noch schwieriger wird es beim Sprinter, da er noch deutlich schmaler ist als Ducato & Co. Im Landstar EWS aber fällt das Bad sehr großzügig aus. Es belegt dafür allerdings auch ordentlich Platz  im Fahrzeugs und kostet Stauraum. Dafür bekommt man allerdings eine separate Dusche mit einer drehbaren Acrylglastür und ein Waschbecken, an dem man sich auch bewegen kann. Selbst für die Toilette ist ausreichend Platz und Beinfreiheit vorhanden.

Fazit

Das Reisen ist mit dem Landstar EWS ein komfortables Vergnügen. Etwas knapp fällt der Stauraum aus. Hier sollten die Konstrukteure zurück ans Reißbrett und eine kontinentaleuropäische Version entwickeln, denn grundsätzlich ist der Platz für mehr Stauraum vorhanden. In Deutschland dürfte sich beispielsweise die Mehrzahl der Kunden für mehr Schrankplatz anstelle der Mikrowelle entscheiden.

Statt Landstar EWS wäre eigentlich “Weekender“ die passende Modellbezeichnung, da er für Fernreisen zu wenig Stauraum bietet. Für ein langes Wochenende oder einen Kurzurlaub bietet der Cristall viel Fahr- und Wohnkomfort. Vom Grundriss ist der Landstar EWS eher die große Alternative mit Bad zum Volkswagen T6. Mit einem Preis von rund 75.000,- Euro ist der Landstar sicherlich kein Schnäppchen, was aber auch dem relativ hohen Grundpreis des Basisfahrzeugs geschuldet ist.

Info: www.cristall.de

Technische Daten
Fahrgestell: Mercedes Sprinter 316 CDI, 163 PS
Getriebe: Schaltgetriebe (Standard), Wandlerautomatik (Testfahrzeug)
Radstand: 4.325 mm
Länge x Breite x Höhe: 7.121 x 1.993 x 2.815 mm
Masse in fahrbereitem Zustand: 3.200 kg
Technisch zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg
Maximale Anhängelast: 2.000 kg gebremst / 750 kg ungebremst
Schlaf-/Sitzplätze: 2/2
Maße Einzelbetten: 2 x 1.906 x 68 mm (Doppelbett 1.906 x 1.780 mm)
Preis: ab 74.900,- Euro