Happy Birthday: drei Jahrzehnte VW California

Benötigte Zeit zum Lesen
2 Minuten
Bisher gelesen

Happy Birthday: drei Jahrzehnte VW California

Mai 10, 2018 - 07:30
Veröffentlicht in:

Er ist wohl so etwas wie das Reisemobil schlechthin: Der California von VW Nutzfahrzeuge. In diesem Jahr feiert der kompakte, wendige Campingbus seinen dreißigsten Geburtstag. Grund genug für einen Road-Trip mit dem Camper durch den namensgebenden, drittgrößten Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

(Foto: VWN/Stephan Lindloff)

Durch einen Großauftrag an Westfalia will VW Kosten sparen. Das klappt offenbar, denn der Preis des California ist zu seiner Markteinführung unbestreitbar ein Hammer: Er ist rund 10.000 D-Mark günstiger als das Modell aus Rheda-Wiedenbrück. Für den relativ niedrigen Preis ist auch eine für den Kunden nur begrenzt machbare Individualisierung seines Fahrzeugs verantwortlich. So stehen als Farben lediglich „pastellweiß“ und „marsalarot“ zur Auswahl, als Polsterstoff kommt immer Gitterpunktvelours in hellgrau zum Einsatz. Dennoch umfasst die Komplettausstattung des California wahlweise ein Hoch- oder Aufstelldach mit Doppelbett, die vom Joker bekannte Wohnausstattung mit einer zur Liege umwandelbaren Rücksitzbank, Schränke, einen Küchenblock mit 42 Liter Absorber-Kühlschrank, einen zweiflammigen Gasherd, Spüle und elektrische Wasserversorgung, eine Gasanlage, einen 55 Liter fassenden Frisch- und einen 20 Liter fassenden Abwassertank. Hinzu kommen drehbarer Fahrer- und Beifahrersitz, Velours-Teppichboden und ein strömungsgünstiger Dachaufsatz anstelle einer Dachgepäckwanne über dem Fahrerhaus. Serienmäßig an Bord sind eine Servolenkung, 90 A Drehstromgenerator, Drehzahlmesser, Digital-Zeituhr, Stereo-Radiovorbereitung, „Carat“-Stoßfänger, eine grün getönte Wärmeschutzverglasung, zwei Schiebefenster mit Fliegengitter, Heck-Scheibenwischer und Heckscheiben-Heizung, Halogen-Doppelscheinwerfer sowie ein abschließbares Ablagefach. Das alltagstaugliche Freizeitmobil mit verschiedenen Antriebsaggregaten angeboten: Für Fans des Selbstzünders gibt es den 1,6 Liter Turbodiesel mit 51 kW / 70 PS zu Preisen ab 42.425 DM (Aufstelldach) bzw. 45.025 DM (Hochdach).

Der Ottomotor mit Vergaser leistet 57 kW / 78 PS. Mit Aufstelldach gibt es ihn ab 39.900 DM, das Modell mit Hochdach steht mit 42.500 DM in der Preisliste. Leistungsstärkstes Antriebsaggregat ist der 2,1 Liter Einspritzer. Ohne Kat bringt er es auf für damalige Zeiten satte 82 kW / 112 PS. Mindestens 41.735 DM sind für die Version mit Aufstelldach fällig, ab 44.335 DM ist das Hochdach-Modell zu haben. Wahlweise gab es den Einspritzer seinerzeit auch mit Kat, und weniger Leistung: 70 kW / 95 PS: Die Preise: Ab 42.989 DM für das Aufstelldach-Modell und 45.589 DM für das Fahrzeug mit Hochdach. An Getrieben stehen das Vier- und Fünfgang-Schaltgetriebe sowie eine Dreigang-Automatik zur Wahl.

Mit Aufstelldach bleibt der Kompakt-Camper mit seinem volkstümlichen Preis noch unter zwei Meter Höhe. Damit passt er noch in Garagen und Waschanlagen. Mit seinen kompakten Abmessungen bleibt er voll alltagstauglich und erspart so den Zweitwagen. Damit hat der California beste Voraussetzungen für einen Verkaufsschlager. Kein Wunder, dass VW bereits ein Jahr später mehr als 5.000 Californias verkauft hat. Die Auftragsbücher sind voll und Volkswagen räubert im angestammten Terrain von Westfalia. Ein Jahr nach dem California kommt der reichhaltig ausgestattete Atlantic, dessen Aufpreis gegenüber dem California bei rund 7.000 D-Mark liegt. Seinen höheren Kaufpreis rechtfertigt der Atlantic etwa mit Kunststoff-Isolierfenstern, Standheizung mit Zeitschaltuhr, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und Bordakku. Obendrein bekommt man ihn optional als Syncro mit Allradantrieb (die in Graz gebaute 4WD-Version des T3 gibt es seit Ende 1984), eine Antriebsart, die dem California versagt blieb. Doch der günstige(re) Preis sorgt für anhaltende Beliebtheit des California. Rund 22.000 Exemplare werden gebaut. Die Stückzahlen stimmen, der California bleibt im VW-Programm.

Generationswechsel zum T4 mit Frontmotor

Der T3 geht – im August 1990 kommt der T4, mit vorne angeordnetem Motor. Damit steht im Heck ein durchgehend tief liegender Boden zur Verfügung, das bringt zusätzlichen Stauraum. Obendrein ist der T4 das erste VW Transportermodell, das mit zwei unterschiedlich langen Radständen zu bekommen ist. Auch bei ihm ist Westfalia - noch - für die Wohneinrichtung zuständig. Die Wolfsburger bewerben den California auf Basis des T4 als „das erste Doppelbett mit Frontantrieb“. Das Grundkonzept bleibt gleich, die Funktionalität des Ausbaus wird weiter gesteigert. Die Sitzbank kann verschoben und in unterschiedlichen Positionen arretiert werden, den Absorberkühlschrank ersetzt eine Kompressorkühlbox. Die Tischplatte verschwindet während der Fahrt in der Sitzkonsole der Heckbank. Und: Beide Vordersitze sind drehbar und können so in den Wohnraum einbezogen werden. Produktionsstart für den frontgetriebenen California, der rund 50.000 D-Mark kostet, ist im Jahr 1991.

Seiten