Für Insel-Entdecker - der Island Allrad-Sprinter

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Für Insel-Entdecker - der Island Allrad-Sprinter

Januar 02, 2018 - 07:40
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Vom September 2007 bis April 2008 baute Páll Halldór Halldórsson seinen Mercedes Sprinter um. In ein Gelände-Fahrzeug der Extraklasse. Mit riesigen Reifen, neue Achsen und fetten, maßgeschneiderten Kotflügeln.

Was machst Du, wenn Du auf Island - dem von der Fläche her zweitgrößten Inselstaat Europas, der Insel voller Eis und Schnee, aber mit wenig Bäumen und Menschen - so richtig Spaß haben willst? Du schaffst Dir einen Geländewagen an, baust ihn um und entdeckst die Insel. Rund 103.000 Quadratkilometer Fläche bietet Island. Und gerade mal 331.000 Einwohner. Sprich, gerade mal 3,2 Einwohner kommen auf einen Quadratkilometer. Da ist reichlich Platz, und mehr als hinreichend "Gelände".

Auto und Island - ein schwieriger Kompromiss

Das ist auch für Páll Halldór Halldórsson, einen begeisterten Rally-Fahrer und Offroad-Enthusiasten, ein nicht zu unterschätzender Anreiz, sich auf der Insel "artgerecht" zu bewegen.Seit zehn, fünfzehn Jahren bewegte ihn schon die Idee, einem Mercedes Sprinter einen "Isländer"-Umbau zu verpassen. Páll fuhr damals einen fast fünf Tonnen schweren Ford. Um besser auf Schnee voran zu kommen, wollte er ein etwas leichteres Fahrzeug. Er entschied sich für den Leichttransporter mit dem Stern an der Haube, für den Sprinter in der Version mit 3,2 Tonnen. Die Entscheidung für das Basisfahrzeug lag nahe, schließlich arbeitet Páll für die Mercedes Niederlassung auf Island.

Schon im Sommer sind die Highlands von Island recht anspruchsvolles Gelände, im Winter warden sie zu eider echten Herausforderung. Die Berge und Gletscher sind am besten mit fett bereiften Allrad-Monstern zu bewältigen. Die Island-Trucks werden mit niedrigem Luftdruck in den dicken Socken bewegt. Die Aufstandsfläche der Reifen wird so vergrößert, der Wagen fährt auf dem Schnee - und versinkt nicht im Schnee.

Sprinter als Basis

Basis für Pálls Umbau ist ein 2007-er Mercedes Benz Sprinter 318 CDI, angetrieben von einem V6-Diesel (OM 642 DE30LA) mit drei Liter Hubraum, einer Leistung von 135 kW entsprechend 184 Pferdestärken und 400 Newtonmetern Drehmoment, die zwischen 1.600 und 2.600 Umdrehungen anliegen. Mit seinen Kumpels macht sich Páll ans Werk. Ziel der Übung: Unter dem Sprinter sollten Dick Cepek Reifen in der Dimension 44x15" wandern - aufgezogen auf 16.5 x 15" Felgen.

Verbaut sind eine Fünfgang-Automatik und ein Borg Warner 1345 Verteilergetriebe, Übersetzung 5.13. Vorne und hinten kommen Dana 60 Achsen zum Einsatz, an beiden Achsen sind ARB Differenzialsperren verbaut. Das Fahrzeug ist um 10" geliftet, installiert sind OME Federn und Stoßdämpfer, Federwege bis 60 Zentimeter sind realisierbar.

Rund 3.180 Kilogramm wiegt der Sprinter. Hatte der Ford von Páll noch einen Verbrauch von rund 35 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer Fahrstrecke, kommt sein Sprinter mit etwa 16, 17 Litern aus. Brennstoff kommt aus dem 100 Liter fassenden Standardtank, ergänzt um einen 150 Liter fassenden Zusatztank.

Viele Änderungen im Detail

Was sich hier so einfach liest, hat einige Menschen über mehrere Monate hin mächtig auf Trab gehalten. Und sie so einiges an Hirnschmalz gekostet. So etwa bei der Änderung der Ölwanne, die wegen der Lenkung verändert werden musste. Oder bei der Schiebetür, die natürlich wegen der dicken Socken auch umgebaut werden musste, damit sie sich noch öffnen lässt. Die Kotflügelverbreiterungen stammen von Umbauten des Mitsubishi Pajero und mussten nur wenig angepasst werden. Erheblich aufwändiger war die Anfertigung diverser Verstärkungen und Versteifungen für den Sprinter.

Ein Garmin 130 erleichtert die Navigation, ein 230 Volt Inverter ermöglicht den Betrieb eines Laptops oder Notebooks. Die Windschutzscheibe des Sprinter ist beheizt, eine zusätzliche Batterie liefert ausreichend "Saft", gespeist von einer 180 Ampere Lichtmaschine. Verbaut sind außerdem Drucklufthörner, Zusatzleuchten, Suchscheinwerfer, eine Markise und eine elektrische Trittstufe. Mittlerweile werden die Umbauten des Island Sprinters auch für Kunden offeriert. verkauft werden die Fahrzeuge etwa an Rettungsdienste.

Páll Halldorsson ist von seinem Fahrzeug immer noch begeistert. Er kann in seinem Wagen schlafen, das Fahrzeug hat eine gute Federung "und ich könnte sogar eine Küche einbauen". Die wäre sicher notwendig, wenn Páll seinen Traum wahrmacht: Eine Weltreise - mit seinem Allrad-Sprinter.