Deutsch-amerikanische Freundschaft

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Deutsch-amerikanische Freundschaft

Oktober 08, 2017 - 07:55
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Ne, das Ding hätte man ausgerechnet hier nun wirklich nicht erwartet. Auf dem US-Car Treffen steht am alten Flugplatz im Eifelort Mendig, zwischen Hot-Rods, Muscle-Cars, Pick-Ups und Vans aus „gods own country“, unübersehbar ein fetter Lkw von Freightliner. Mit „aufgehuckeltem“ Caravan wird der Kult-Truck zum Reisemobil der Sonderklasse.

Freightliner meets Hobby- ein skuriler Eigenbau auf LKW-Basis. (Foto: gp)

Bereits der dreiachsige Truck alleine fällt auf deutschen Straßen auf wie ein Kondomautomat im Vatikan. Stahlblau lackiert, Fahrerhaus plus angrenzende Schlafkabine, versehen mit einem gigantischen Dachspoiler, seitlich angebrachte und hoch aufragende armdicke Auspuffrohre, fette Scheinwerfer-Batterie auf den Dach, große Tanks rechts und links, ein gigantischer, senkrecht im Fahrtwind stehender Kühlergrill sowie jede Menge Chrom und Lampen und Lämpchen.

Der Freightliner ist ein sogenannter „conventional“. Also ein Fahrzeug, bei dem erst mal eine elend lange Motorhaube - und dann erst das Fahrerhaus - kommt. Bis heute geben viele amerikanische Trucker einem Hauber den Vorzug gegenüber einem „cabover“, also einem Frontlenker, bei dem sich das Fahrerhaus direkt über dem Motor befindet (cab over engine). In Deutschland und Europa haben die Frontlenker bei Bussen und mittelschweren bis schweren Lkw die Hauber bereits seit einigen Jahrzehnten fast vollständig aus dem Straßenbild verdrängt.

Noch bis um 1980 prägten auch in den USA die Cabover das Bild auf den amerikanischen Highways. Unter Ronald Reagan wurde die Längenbeschränkung für Lkw aufgehoben, beschränkt blieb hingegen die Laderaumlänge. Damit verschob sich das Bild zugunsten der Langhauber, die von Freightliner, Volvo, Peterbilt, Kenworth oder Mack stammen. Durch den längeren Radstand sind sie komfortabler zu fahren, das Fahrerhaus sitzt tiefer und damit ist der Einstieg leichter. Außerdem lässt sich die Motorhaube bequem wegklappen, was Wartungs- und Reparaturarbeiten am Motor und den Nebenaggregaten deutlich erleichtert.

Zusammen mit dem großen „sleeper cab“, dem Schlafabteil, sorgten diese Vorteile dafür, dass die legendären Hauber von Freightliner zum höchst beliebten „owner-operator truck“ wurden, also zum beliebten Fahrzeug unter den selbständigen Truckern, die mit eigenem Laster auf Tour gehen. Seit 1981 gehört Freightliner - der größte nordamerikanische Hersteller von Schwerlastfahrzeugen, zu Daimler-Benz. Bei uns ist Freightliner wohl vor allem durch die weihnachtlichen Werbetrucks eines ur-amerikanischen Erfrischungsgetränke-Herstellers bekannt.

Zusammen mit einem hinter dem sleeper cab aufgesetzten Wohnwagen von Hobby mutiert der nordamerikanische Schnauzer-Lkw zu einem höchst auffälligen und alles andere als alltäglichen Reisemobil der Extraklasse, den es aber mur als Einzelstück gibt.