Praxistipp: Kleben und Dichten außerhalb der Optimal-Temperatur

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Praxistipp: Kleben und Dichten außerhalb der Optimal-Temperatur

Oktober 02, 2017 - 07:58
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Das Ende der Camping-Saison ist häufig der Beginn der Umrüst- und Reparatur-Saison. Reisemobil und Caravan werden entladen und gereinigt um anschließend die Macken der vergangenen Saison zu beseitigen.

Auch außerhalb es optimalen Temperaturbereiches sind Verklebungen möglich. (Foto: Dekalin)

Für viele Reparaturen und Nachrüstungen empfehlen sich moderne Klebetechniken. Der große Vorteil ist das „zerstörungsfreie“ Reparieren. Im Gegensatz zu anderen Verbindungsarten müssen keine Löcher gebohrt werden – kleben ist materialschonend. Allerdings gibt es ein anderes Problem und das liegt in der Jahreszeit beziehungsweise der Temperatur begründet. Auch wenn die Hersteller eine Verarbeitungstemperatur zwischen fünf und 35 Grad Celsius angeben, liegt der optimale Temperaturbereich zwischen 15 und 25 Grad. Das ist in der Wintersaison nur selten gewährleistet. Bei einigen Klebeverfahren kann sich das negativ auf die Klebkraft auswirken.

Verwässerte Verarbeitung vermeiden

Beachtet man einige Profitipps, ist das Verkleben auch außerhalb der Temperaturfenster möglich. Zunächst gilt es bei Kälte den größten Feind der Adhäsion zu bekämpfen: Kondenswasser. Es legt sich wie eine Trennschicht zwischen die Fügeteile und die Benetzung versagt. Hält man die Fuge frei von Feuchtigkeit ist Kleben durchaus möglich. Zu empfehlen sind dann wasserfreie Dichtstoffe auf Basis von Polyurethan, MS-Polymer und Butyl. Dekalin hat hierfür beispielsweise DEKAseal 8936 im Sortiment, die auch im Winter verlässlich ihre Dienste tut. Zu beachten ist allerdings, dass die Aushärtung der Dichtmassen und Klebstoffe bei tiefen Temperaturen wesentlich langsamer erfolgt. Das erhöht die Gefahr von Rissen bei thermischer Längen- oder Spannungsänderung. Eine frühzeitige Beanspruchung muss also in jedem Fall unterbleiben.

Für aufwändigere Arbeiten und großflächige Verklebungen sollte man daher wärmere Tage abwarten und sich den optimalen Herstellerempfehlungen soweit wie möglich annähern. Aber die meisten Verarbeiter dürften gegen einen Heizstrahler in der Garage und höhere Plusgrade in der Arbeitsumgebung ohnehin kaum Einwände haben.

Sonne & Schatten

Auch hohe Temperaturen sollten bei der Verarbeitung von Dichtstoffen vermieden werden. Dabei ist weniger die Umgebungsluft sondern die Oberflächentemperatur der Fügeteile entscheidend. Bei Sonneneinstrahlung sind 25 Grad Celsius schnell erreicht. Insbesondere Metalle erreichen bei intensiver Sonneneinstrahlung bis zu 100 Grad, was eindeutig zu heiß ist. Führt man die Arbeiten im Schatten durch, gibt es normalerweise keine Probleme. Jedoch sollte man darauf achten, dass das Temperaturgefälle nach dem Aufbringen nicht zu stark ausfällt. Bei einer Aushärtungsgeschwindigkeit von drei Millimetern in 24 Stunden kann die vollständige Durchhärtung von Klebstoffen auf PU-, Hybrid- oder MS-Polymer-Basis – je nach Dicke - durchaus einige Tage dauern. In dieser Zeit sollte eine starke Abkühlung der Bauteile mit einer Differenz von mehr als 30 Grad unbedingt vermieden werden. Sonst erfährt die dünne Dichtstoffhaut, die sich zu Beginn bildet, eine starke Dehnung oder Stauchung, die sie noch nicht ausgleichen kann. Ein gut gemeintes Erhitzen der Fügeteile mit der Heißluftpistole bewirkt durch die anschließende rasche Abkühlung das genaue Gegenteil der gewünschten Wirkung.

Der Weißpunkt ist entscheidend

Den technischen Hintergrund erklärt Michael Windecker, Geschäftsführer von Dekalin Deutschland, anhand tieferer Temperaturen: „Die sogenannte Mindestfilmbildetemperatur definiert die unterste Temperatur, bei der ein Klebstoff – im Fachbegriff Polymerdispersion - vom flüssigen in einen geschlossenen Film übergeht. Dieser Übergang erfolgt innerhalb eines relativ engen Temperaturbereiches, weshalb Experten vom 'Weißpunkt' sprechen.“ Liegt die Temperatur unter dem Weißpunkt, bleibt die mechanische Festigkeit aus, weil der Klebstoff als weißes, unzusammenhängendes, pulvriges Gemisch auf den Fügeteilen verbleibt. Wie gezeigt, gibt es aber durchaus Tipps, die dabei helfen ober- und unterhalb der optimalen Temperatur-Empfehlungen zu verarbeiten. Dies sollte allerdings nur bei Kleinreparaturen erfolgen, die sich nicht aufschieben lassen. Ansonsten bietet das Frühjahr ausreichend Zeit, um den Liebling in der Garage wieder in Schuss zu bringen. Und wenn man ehrlich ist: Das macht bei den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings ohnehin mehr Spaß.

Info: www.dekalin.dewww.faszination-kleben-dichten.de