DVB-T-Abschaltung: Wahrheit und Werbung

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DVB-T-Abschaltung: Wahrheit und Werbung

März 27, 2017 - 08:03
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In Ballungszentren wird der terrestrische Fernsehempfang diese Woche auf den TV-Standard DVB-T2 HD umgestellt. Camper sollten allerdings genau prüfen, ob sie für Reisemobil und Caravan neue Empfangsgeräte benötigen.

Mehr Programme und besseres Bild auch für unterwegs - der neue DVB-T2 HD Standard. (Foto: pd/ DVB-T2HD)

Seit einigen Wochen warnen Werbesports davor, dass die Fernseher in Deutschland ab 29. März dunkel bleiben. Nur wer rechtzeitig umstellt und am Besten noch das kostenpflichtige Privatpaket nimmt, kann auch weiterhin fernsehen – so die Panikmache des Sendernetzbetreibers Media Broadcast und seiner Konzernmutter Freenet. Die Realität sieht anders aus. Gerade Camper sollten genau hinschauen, ob die Umstellung für sie Sinn macht, denn nur die Ballungsräume werden umgestellt.

Warum die Umstellung?

Grundsätzlich bietet DVB-T2 bietet eine bessere Bildqualität und mehr Programme obwohl weniger Frequenzen genutzt werden. Die frei werdenden TV-Kanäle sind für mobiles Internet vorgesehen. Ihre Versteigerung bringt dem Staatssäckel rund fünf Milliarden Euro zusätzlich ein. Weiterhin bietet DVB-T2 die Möglichkeit, die Programme gegen gesonderte Bezahlung anzubieten, was den Standard für die Privatsender interessant macht. Technisch bietet DVB-T2 HD endlich Programme in Full-HD-Auflösung mit 1.920 mal 1.080 Pixeln und 50 Hertz Bildwiederholfrequenz. Damit soll der neue Standard bessere Bilder liefern als HD-Kabelfernsehen. Zusätzlich unterstützt der neue Standard auch HbbTV, einen neuen Hybrid-TV-Standard, der Fernsehen und Internet kombiniert.

Wer ist betroffen?

Für die meisten Haushalte ändert sich nichts, nur rund acht Prozent sind von der Umstellung betroffen. Die betroffenen Haushalte werden seit Wochen per Einblendungen im TV-Bild auf die Umstellung hingewiesen. Dort ist ein Empfang ohne Fernseher mit DVB-T2 HD Receiver zukünftig nicht mehr möglich. Dazu zählen folgende Regionen:

  • Augsburg, München, Wendelstein
  • Nürnberg
  • Nördlich der Linie Stuttgart/Baden-Baden bis Frankfurt
  • Saarbrücken
  • Rheinland und Ruhrgebiet
  • Berlin
  • Halle/Leipzig
  • Magdeburg
  • Hannover/Braunschweig
  • Bremen/Bremerhaven
  • Hamburg/Lübeck
  • Kiel
  • Schwerin
  • Rostock

Dort wo der neue Standard keine große Reichweite hat und heute ausschließlich ARD, ZDF sowie die Dritten Programme zu empfangen sind, wird das alte DVB-T noch weiter bestehen bleiben und erst später umgerüstet. Allerdings werden dort häufig nur die öffentlich-rechtlichen Programme angeboten werden. Eine Sonderregelung gibt es auch für den Norden. Der NDR bietet das Erste, Zweite und Dritte Programm noch zusätzliche drei Monate an, bevor es abgeschaltet wird.

ARD, ZDF & Pay-TV

Die Programme der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten bleiben nach wie vor frei empfangbar. Die Kosten hierfür sind bereits mit dem Rundfunkbetrag gedeckt. Anders sieht es beim Empfang von Privatfernsehen aus. Für den Empfang der Programme verlangt der Medienkonzern Freenet eine monatliche Gebühr von 5,75 Euro. Eine kostenlose Ausstrahlung wie über Satellit wird es nicht geben. Wer also nicht jeden Monat zusätzlich zur Kasse gebeten werden möchte, wird nur einen kleinen Teil des Programmangebots sehen können.

Fernsehen für Camper

Wer über Satellit fernsieht, muss sich keine Gedanken machen. Hier bleibt alles beim Alten. Eine Umrüstung des Reisemobils oder Caravans macht nur Sinn, wenn am Urlaubsort nach neuem Standard ausgestrahlt und die gewünschte Programmvielfalt geboten wird. Die Website stellt bundesweite Empfangsprognosen zur Verfügung. Hier lässt sich prüfen, ob und wann am Urlaubsort der neue Standard eingeführt wird. Da in vielen Gegenden Deutschlands die Umstellung erst später erfolgt, wäre eine Umrüstung zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll.

Nachrüstung oder Neukauf

Viel moderne Fernseher können schon den neuen Standard DVB-T2 HD. Erkennbar ist das an dem grünen Logo. Hier ist nach der Umstellung lediglich ein Sendersuchlauf notwendig. Alte Fernseher lassen sich mit einem neuen Receiver weiter nutzen. Allerdings sollte der Receiver auch für den Empfang der Freenet-Sender vorbereitet sein. Unterstützt der vorhandene Fernseher kein Full-HD, empfiehlt sich ein Austausch um von der Bildqualität des neuen Standards profitieren zu können. Alternativ bietet sich die Umrüstung auf Satelliten-TV an. Dort wird derzeit nach dem DVB-S2-Standard ausgestrahlt. So kann man dann garantiert und unabhängig von der Region sein Wunschprogramm empfangen, vorausgesetzt der Blick auf den Satelliten ist frei..

Info: www.dvb-t2hd.de, www.freenet.de