Das Bilder-Buch: ''Otto''

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Das Bilder-Buch: ''Otto''

Februar 01, 2018 - 14:45
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Nein, es geht in dem Buch nicht um den ostfriesischen Komiker und Blödler. Dieser Otto hat einen Stern am Kühlergrill und ist ein Mercedes G. Einer der kantigen und kultigen Geländewagen der Stuttgarter Autobauer. Aber Otto ist mehr als „nur“ ein Auto.

Der Untertitel beschreibt die spannende Reisegeschichte von Otto. (Foto: Verlag)

Otto ist Weltrekord-Halter - und Star des Buches, das sich um ihn und die mit ihm unternommene Reise dreht. Frauen geben ihren Autos Namen. So ist es auch bei Otto. Den Mercedes-Benz 300 GD hat Christine, die Ehefrau von Gunther Holtorf, liebevoll „Otto“ getauft. Für Holtorf, den ehemaligen Pilot und Luftfahrt-Manager, ist sein blauer 300 GD „das“ Expeditionsmobil schlechthin. Er muss es wissen, schließlich ist Otto ein echtes Marathon-Mobil.

Rund 26 Jahre war Holtorf mit Otto unterwegs, hat knapp 900.000 Kilometer mit ihm zurück gelegt und sagenhafte 215 Länder bereist. Im Jahre 1988 steigt Holtorf im Alter von 50 Lenzen aus. Er will auf Weltreise gehen, kauft sich (s)einen G, verschifft ihn nach Nairobi und geht auf eine erste Testfahrt. „Beim Kauf des Wagens habe ich dem Versprechen von Mercedes-Benz "Wo ein G ist, ist auch ein Weg" noch etwas skeptisch gegenüber gestanden. Schließlich hatte ich bereits im Vorfeld einiges von der Welt gesehen und eine ungefähre Vorstellung von dem, was ein Fahrzeug während einer solchen Welterkundung ertragen muss!"

Im November 1989 gibt er eine Kontaktanzeige auf. „Interessieren Sie fremde Länder jenseits des Massentourismus? Fühlen Sie sich in freier Natur wohl? Sind Sie sportlich-aktiv, schlank, unkompliziert, offen für Interessantes dieser Welt? Wenn ja, dann könnte man sich ja mal bei einer Flasche Wein kennenlernen.“ Holtorf bekommt mehr als 50 Antworten - und trifft sich mit drei Frauen. Eine davon ist Christine Boehme aus Dresden. Sie las seine Anzeige eine Woche nach dem Fall der Berliner Mauer. Holtorf schildert sie als „sehr unkompliziert, symathisch, belastbar“. Das Paar zieht gemeinsam los. Geplant war zunächst eine kurze Reise in Afrika. Liebe auf den ersten Blick war es zwischen Christine Boehme und Gunther Holtorf nicht. Die entwickelte sich, mit der Zeit. Ebenso wie das Vertrauen in Ottos Fähigkeiten. Die anfängliche Skepsis verwandelte sich speziell in heiklen Situationen in großes Zutrauen zum vierrädrigen G-efährten und Reisepartner.

Erde - Mond - Erde plus 80.000 km unter verschärften Bedingungen

Denn rund 250.000 der knapp 900.000 Gesamt-Kilometer legte der 300 GD in „artgerechter Haltung“ abseits befestigter Wege zurück. Auf übelsten Schotter- oder Wellblech-Pisten, im Schlamm, auf mit Schlaglöchern übersäten Strecken oder auf felsigen Kletterpassagen im Hochgebirge. Diese Belastung entspricht für Fahrwerk und Chassis rund 2,5 Millionen Kilometer unter „normalen“ mitteleuropäischen Bedingungen. Zu den topographischen Verwerfungen kamen die unterschiedlichsten meteorologischen Anforderungen, die Otto in allen Klimazonen der Erde absolvierte musste: Von der gnadenlosen Gluthitze der Wüste über dampfende Dschungelgebiete bis hin zu arktischen Gefilden mit klirrender Kälte.

Dabei hatte Otto eigentlich immer mit Übergewicht zu kämpfen. Mit der Expeditionsausrüstung und Lebensmitteln, mit Reservekanistern, Betriebsmitteln, Werkzeug, Bergeausrüstung, Ersatzteilen und Reserverädern brachte das Expeditionsmobil immerhin satte 3,3 Tonnen auf die Waage. Das sind gut 500 Kilogramm mehr als das zulässige Gesamtgewicht des G. Allein auf dem Dach landeten rund 400 Kilogramm. Auch das brachte das Weltrekordmobil jedoch nicht aus der Fassung: „Eigentlich war der G immer überladen, deshalb hatten wir verstärkte Federn und Schlechtwege-Stoßdämpfer eingebaut. Ansonsten entspricht Otto dem Serienstand. Der komplette Antriebsstrang mit Motor, Getriebe und Achsen ist noch original. Weder Rahmen noch Karosserie zeigten irgendwelche Ermüdungserscheinungen.“

Im Sommer 2010 stirbt Christine an einem Krebstumor. Beerdigt wird sie in einem Dorf am Chiemsee, nur wenige Meter entfernt von dem Standesamt, in dem sie Holtorf geheiratet hat. Der beendet seine Reise erst vier Jahre nach dem Tod seiner Frau. 215 Nationen haben Gunther Holtorf und seine Frau Christine gemeinsam mit Otto bereist. „Wohlgemerkt – bereist!“, wie der ehemalige Pilot betont. „Ein kurzer Stopp und als Beleg einen Stempel im Pass und ein symbolisches Foto mit dem Fahrzeug am jeweiligen Grenzübergang – das hat uns nie gereicht. Ein Land gilt in unseren Augen erst dann als bereist, wenn man in die jeweilige Hemisphäre eintaucht, in regen Kontakt mit den Einheimischen tritt und die unterschiedlichsten Facetten kennengelernt hat.“

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