Bitte lächeln – was darf ich im Urlaub fotografieren?

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Bitte lächeln – was darf ich im Urlaub fotografieren?

April 16, 2017 - 12:43
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Mit dem Smartphone ist der Fotoapparat auch im Urlaub immer dabei, Schnappschüsse sind die Regel statt die Ausnahme. Kaum ein Ort, an dem man nicht von einer Kamera beobachtet wird. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Nicht jedes Urlaubsfoto darf veröffentlicht werden. (Foto: pd)

Der Urlaub gehört zur schönsten Zeit des Jahres. Urlaubsfotos sind die schönsten Urlaubsmitbringsel. Ob Fotoshooting am Strand, kulinarische Spezialitäten der Region, malerische Natur oder die Partymeile – dank Smartphone ist der Fotoapparat immer zur Hand.

Während früher die Filme erst zu Hause entwickelt werden mussten und die Bilder im privaten Fotoalbum ihren Platz fanden, werden heutzutage die meisten Bilder in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Co. veröffentlicht. und sind somit für die breite Öffentlichkeit sichtbar. Besonders problematisch ist, dass einmal im Internet veröffentliche Fotos sich in der Praxis nicht mehr löschen lassen.

Doch was darf ich als Urlauber noch fotografieren? Die Antwort fällt je nach Land unterschiedlich aus. Eine umfassende und rechtlich einwandfreie Beratung kann nur durch einen Fachanwalt erfolgen. Die nachfolgende Auflistung soll ein paar rechtliche Stolpersteine aufzeigen, auf die Hobbyfotografen beim nächsten Urlaub achten sollten.

Wer darf fotografiert werden?

Auch als Tourist darf man nicht einfach drauf los knipsen, sonst besteht die Gefahr Rechte Dritter zu verletzen. Denn auch im Urlaub haben die abgebildeten Personen das sogenannte „Recht am eigenen Bild“. Damit ist eine Erlaubnis zur Veröffentlichung des Bildes notwendig.

Keine Einwilligung ist nötig, wenn die Personen als sogenanntes Beiwerk zum Foto erscheinen, das heißt, wenn diese nicht aus dem Bild hervorstechen. Dies gilt zum Beispiel bei Veranstaltungen, wo auf dem Foto viele Menschen zu sehen sind. Als – nicht rechtssichere - Faustformel gelten Gruppen ab neun Personen als „Menge“, ein Fotografieren wäre damit möglich. Besonderen Schutz genießen Kinder. Ohne Erlaubnis der Eltern sollte man daher keine Kinderfotos veröffentlichen – egal wie süß die Kleinen sein mögen.

Eine Frage der Ehre

Auch wenn es sehr populär ist, Unglücke und Missgeschicke anderer Personen zu posten, sollte man das tunlichst unterlassen. Das gilt besonders, wenn die Person auf dem Bild alkoholisiert sind. Die Abbildung und Veröffentlichung gilt gemeinhin als ehrabschneidend und bedeutet im Ernstfall ein Klage sowie Schadensersatzforderungen der Gegenseite.

Was darf fotografiert werden?

Eine weitere Einschränkung, die viele Hobbyfotografen nicht kennen, gibt es bei Gegenständen die dem Urheberrecht unterliegen. In einigen Museen ist es zwar erlaubt zu fotografieren, allerdings dürfen die Fotos nicht veröffentlicht werden, da die Kunstwerke dem Urheberrecht des Künstlers unterliegen. Ohne schriftliche Freigabe kann eine Veröffentlichung teuer werden.

Doch selbst bei Gebäuden kann es Probleme geben. Während Fotos und Selfies mit dem Pariser Eiffelturm die tagsüber gemacht wurden problemlos veröffentlicht werden dürfen, ist der beleuchtete Eiffelturm als Kunstwerk des Lichtkünstlers Pierre Bideau urheberrechtlich geschützt. Wer glaubt, dass schon nichts passieren wird, irrt gewaltig. Gerade in Frankreich ist die Panoramafreiheit (de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit) eingeschränkt. Die Rechnungen können schnell eine Höhe von mehreren tausend Euro erreichen.

In vielen Ländern dürfen keine Regierungsgebäude, militärischen Anlagen oder strategisch bedeutende Einrichtungen fotografiert werden. Darunter fallen – je nach Land – auch Flughäfen, Bahnhöfe, Brücken oder Botschaften. Gerade bei Fernreisen oder Zielen wie Ägypten und der Türkei sollte man besondere Vorsicht walten lassen. In Anbetracht der Terrorschläge der letzten Zeit reagieren aber auch die Sicherheitskräfte in Europa mittlerweile sehr sensibel. Eine Verhaftung wegen Spionage oder Terrorverdachts wegen eines Fotos dürfte kaum zu einem schönen Urlaub beitragen.

Im Übrigen herrscht auch auf den meisten Messen ein Fotografierverbot. Entsprechende Aufkleber an den Türen und die AGB des Veranstalters, die mit dem Kauf der Eintrittskarte akzeptiert werden, weisen daraufhin. Nur mit einer Akkreditierung bei der Messegesellschaft ist das Fotografieren erlaubt. Auch wenn dieses Verbot in der Praxis meist völlig ignoriert wird, kann es unter Umständen teuer werden.

Und die eigenen Rechte?

Das Urheberrecht in Deutschland unterscheidet sich von dem Recht anderer Länder wie den USA, da die Urheberschaft nicht verkauft werden kann. In Deutschland bleibt der Urheber auch über den Tod hinaus bestehen. Er kann aber vielfältige Nutzungsrechte einräumen. Diese können regional oder für den Nutzungszweck (keine Werbung) eingeschränkt sein. Besonders kritisch sind daher Nutzungsbedingungen wie von Facebook zu betrachten:

"Für Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind, wie Fotos und Videos (IP-Inhalte), erteilst du uns ausdrücklich nachfolgende Genehmigung, vorbehaltlich deiner Einstellungen für Privatsphäre und Apps: Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (...)."

Während man selbst für mögliche Rechtsverstöße beim Inhalt haftet, darf Facebook jedes Bild kostenlos nutzen und sogar weiterverkaufen.

Ein Bild für die Ewigkeit?

Allgemein gilt stets zu bedenken, dass Urlaubsbilder, die einmal im Internet gelandet sind, für immer dort zu finden sein werden. Hobbyfotografen sollten sich daher immer fragen, welche Wirkung ihre Bilder auf andere Mitmenschen, wie zum Beispiel Arbeitgeber haben können, und ob sie sich in einigen Jahren noch damit identifizieren können.

Strafen

Auch beim Fotografieren gilt: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Wer gegen das Recht des Urlaubslands verstößt, muss mit teilweise sehr hohen Strafen rechnen. Das können im Zweifelsfall auch Haftstrafen sein. Auch bei Veröffentlichung von Bildern mit anderen Personen, die nicht eingewilligt haben, kann es zu einem zivilrechtlichen Verfahren mit Geld- oder gar Freiheitsstrafen kommen.

Wer sich nicht sicher ist, sollte das Auswärtige Amt und die Botschaft des jeweiligen Landes vor der Reise kontaktieren.

Info: www.auswaertiges-amt.de, www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html