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Typ-Beratung Teil 3

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Typ-Beratung Teil 3

Januar 02, 2019 - 07:30
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Gerade für Anfänger sind die unterschiedlichen Bauformen schwierig zu unterscheiden. Mit der Wohnmobil-Typologie stellen wir in mehreren Teilen die unterschiedlichen Bauformen vor und erleichtern so die Entscheidung.

Wer es im Urlaub an Bord möglichst wohnlich und komfortabel haben will, kommt - bei entsprechendem Kontostand - an den Vollintegrierten nicht vorbei. Sie werden von spezialisierten Aufbauherstellern auf Basis von Fahrgestellen wie Fiat Ducato, Iveco Daily, Mercedes Sprinter oder VW Crafter gebaut. Optisches Merkmal der Integrierten ist der von vorne bis hinten durchgängig neu karossierte Wohnaufbau. In diesen ist auch das Fahrerhaus mit den beiden Sitzen integriert. Sie können nach hinten gedreht und so in eine Sitzgruppe integriert werden. Womit auch klar ist, woher diese Fahrzeug-Gattung ihren Namen hat.

Komfortabel: Die Integrierten

Die Integrierten sind die teuerste Version eines Wohnmobils. Ihre Form erinnert an einen Reisebus. Auffallend sind vor allem die großen Frontscheiben. Die sind nur einfach verglast und damit im Winter eine Kältebrücke. Einige Hersteller versuchen dieses Problem mit einem (teils elektrisch betriebenen) Rolladen in den Griff zu bekommen. Im Fahrerhaus gibt es oft ein Hubbett, also ein über den Sitzen vom Dach her absenkbares Doppelbett. Bedingt durch die relativ großen (bis hin zum Reisebus) Chassis, die beim Integrierten zum Einsatz kommen, sind Fahr- und Wohnkomfort kaum zu toppen. Sollte die Land-Yacht für den Ausflug in den malerischen Weinort zu üppig geraten sein, kein Problem: Etliche Integrierten verfügen über eine Heckgarage. Darin haben entweder Fahrräder, E-Bikes, motorisierte Zweiräder, der Smart oder selbst ausgewachsene Sportwagen Platz. Vor allem die relativ hohen Anschaffungskosten ab etwa 75.000 Euro sorgen dafür, dass Integrierte nicht zur Massenware werden. Sie bieten zwar das Raumangebot einer kleinen Wohnung, haben aber oft auch einen entsprechenden Preis. Mit ihrer Größe sind Integrierte, die oft bis zu zweieinhalb Meter breit und gut drei Meter hoch sind, zwar ideal zum Wohnen. Zum befahren enger Straßen hingegen sind sie, darüber muss sich der künftige Eigner klar sein, weniger gut geeignet. Auch der passende Führerschein sollte vorhanden sein. Zwar sorgt der zunehmende Leichtbau in der Reisemobil-Industrie dafür, dass viele Integrierte mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen auskommen, etliche Fahrzeuge liegen jedoch auch deutlich darüber. Die inoffizielle Gewichtsgrenze dieser Klasse liegt bei 7,5 Tonnen - der Führerscheingrenze der alten Klasse 3.

Mehr geht nicht: Die Luxusliner

Zweistellig ist das zulässige Gesamtgewicht oft bei den echten Luxuslinern, Integrierten in der Größe eines Reisebusses. Sie sind oft so teuer wie ein Eigenheim, dafür aber mit allem Komfort ausgestattet. Etwa mit einer Garage für den Sportwagen, entweder als seitlich ausfahrbare „Schublade“ zwischen den Achsen oder mit Heckgarage ausgelegt. Zur Erweiterung des ohnehin nicht knapp bemessenen Wohnraums kommen in dieser Klasse oft ausfahrbare Erker zum Einsatz. Als Basisfahrzeuge kommen LKW- oder Bus-Chassis zum Einsatz. Ein entsprechender LKW-Führerschein ist hier also Voraussetzung. Gerade bei amerikanischen Linern kommen die sogenannten „Pusher“ zum Einsatz. Bei ihnen sitzt der Motor hinten und „drückt“ (push) das Mobil. Der Vorteil: Während der Fahrt ist der Motorlärm deutlich geringer als mit Frontmotor. Dieses Antriebsprinzip gibt es auch bei den ausgebauten Wohnbussen.

Variabel: Pick-Ups mit Wohnkabine

Mit erheblich weniger Platz müssen die Besitzer eines Pick-Ups mit Wohnkabine auskommen. Die Aufbauten für die meist allradgetriebenen Pritschenwagen gibt es fest montiert oder absetzbar. Die einfachste Variante ist das Aufsetzen des Wohnaufbaus zwischen die serienmäßigen Ladebordwände. Mehr Raum bietet die Variante, bei der die Kabine - bei demontierter Pritsche - direkt aufs Fahrgestell aufgesattelt wird. Absetzbare Kabinen bieten den Vorteil, dass der Pick-Up mit seinen bis zu fünf Sitzplätzen auch im Alltag oder für den Beruf genutzt werden kann. Für den Urlaub wird die Kabine montiert und los gehts. Am Reiseziel angekommen kann die Kabine abgesetzt - und bewohnt - werden, der Pick-Up steht für Ausflugsfahrten in die Umgebung zur Verfügung. Die Wohnfläche ist zwar begrenzt und in der Regel kleiner als bei den meisten anderen Reisemobilen. Variabler einsetzbar ist allerdings kaum ein anderes Freizeitmobil. Ab etwa 35.000 Euro ist ein Pick-Up zu haben, ab 25.000 Euro sind die Wohnaufsätze zu bekommen.

Matsch fun: Expeditionsmobile

Eine Klasse für sich sind die Fernreise- und Expeditionsmobile. Kleinere Mobile basieren auf Geländewagen, meist von Toyota, Land Rover oder Mercedes-Benz. Die Ausstattung ähnelt der in den Campingtbussen.. Die mittlere Klasse reicht bis siebeneinhalb Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, mit Basisfahrzeugen von Mercedes, Iveco oder MAN, immer mit traktionsförderndem Allradantrieb. In der „großen“ Klasse kommen selbst 8x8-getriebene Allrad-Lkw zum Einsatz. Zu Preisen, die auch schon einmal siebenstellig werden können. Für das Geld kann man dann auch mitten in der Wüste Mozart aus den Lautsprechern der Multimedia-Anlage genießen, bei einem guten Glas Rotwein aus dem bordeigenen Vorrat.

 

Typberatung - Teil 1

Typberatung - Teil 2