Volkswagen stellt erste Details des neuen Transporter Crafter vor

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Volkswagen stellt erste Details des neuen Transporter Crafter vor

April 08, 2016 - 09:45
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Volkswagen Nutzfahrzeuge gibt einen ersten Ausblick auf die kommende Generation des Volkswagen Crafter

Modern und komfortabel - das neue Fahrerhaus des VW Crafter. (Foto: Werk)

Beim neuen Crafter hat sich Volkswagen viel vorgenommen. Mit der kompletten Neuentwicklung des Crafter endet eine langjährige Kooperation in Entwicklung und Fertigung mit Mercedes Benz. Der Crafter wird ganz auf die Volkswagen Nutzfahrzeugfamilie zugeschnitten und übernimmt die Rolle des großen Bruders des T6. Gefertigt wird der Crafter im neugebauten Werk im polnischen Września nahe Posznan.

Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Dr. Eckhardt Scholz, legt die Messlatte hoch. VW will seinen Anteil im Segment der leichten Nutzfahrzeuge von derzeit sieben Prozent auf 14 Prozent verdoppeln. Die Chancen stehen gut. Der Verkauf von Caddy Amarok und T6 ist in den ersten beiden Monaten erneut gestiegen. Nach einem verhaltenen Start zu Jahresbeginn konnte auch der aktuelle Crafter wieder zulegen. Insgesamt entwickelt sich der europäische Markt sehr positiv. Die Zulassungsstatistiken weisen europaweit ein starkes Wachstum in 2015 für leichte Nutzfahrzeuge aus.

Kundenähe bei der Entwicklung

Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, hat Volkswagen gründliche Marktforschung und ausgiebige Kundenbefragungen betrieben. Rund 2.500 Stunden waren VW-Mitarbeiter unterwegs, um mit Kunden über deren Bedürfnisse zu sprechen und den Arbeitsalltag hautnah zu erleben. Das Ergebnis ist eindeutig: Wirtschaftlichkeit, Qualität und Zuverlässigkeit sowie Alltagstauglichkeit belegen die ersten Plätze. Faktoren wie Design oder Umweltverträglichkeit spielen offenbar eine untergeordnete Rolle beim Fahrzeugkauf. Um die vielen Anforderungen zukünftig besser befriedigen zu können, wird Volkswagen zukünftig rund 70 Prozent mehr Individualisierungsmöglichkeiten anbieten.

Die Karosserie

Auch wenn Volkswagen die Katze noch nicht aus dem Sack lässt, kann man auf ersten Bilder von Erlkönigen erkennen, dass die Hochkant-Doppelscheinwerfer ausgedient haben. Das neue Gesicht dürfte sich an der Vokswagen-Familie, speziell natürlich am kleinen Bruder T6 orientieren. Das Fahrzeug wurde speziell im Bereich der Aerodynamik optimiert, auch wenn viele Änderungen erst auf den zweiten Blick auffallen dürften. Neben einer scharfen Abrisskante am Heck und der optimierten Front dürfte vor allem der verkleidete Unterboden für günstige Verbrauchswerte sorgen. Durch ein optionales Aerodynamikpaket lässt sich der cw-Wert von sehr guten 0,329 auf 0,300 senken. Testfahrten ergaben einen Minderverbrauch von 0,5 l/100 km bei 100 Stundenkilometern. Bei 120 km/h steigt die Spritersparnis auf 0,75 Liter. Allein der Einsatz einer elektromechanischen Servolenkung reduziert den den CO2-Ausstoss um sechs Gramm pro 100 Kilometer.

Komplett neues Cockpit

Sehr viel Arbeit hat Volkswagen in die Entwicklung der Fahrerkabine gesteckt. Selbst Menschen bis 1,94 Metern Körpergröße können noch komfortabel Platz nehmen. Das höhenverstellbare Lenkrad könnte auch aus einem Golf stammen, so wenig erinnert im Cockpit noch an ein Nutzfahrzeug. Das neue Armaturenbrett ist möglichst variabel gehalten. Schließlich soll es für Baustellenfahrzeuge ebenso geeignet sein wie für Lieferdienste oder Reisemobile. So lässt sich die Ablage an der A-Säule sowohl für Paket-Scanner als auch für Aschenbecher, Cupholder oder Smartphone-Halterungen verwenden. Selbstverständlich ist auch an die erforderlichen Stromanschlüsse gedacht worden. Auch Laptop und Aktenordner finden Platz. Zusätzlich haben die Produktdesigner darauf geachtet, dass alle Flächen und Ablagen leicht zu reinigen sind. Auch wenn bisher das Original-Cockpit noch nicht gezeigt wurde, verspricht das Mock-Up eine moderne, aufgeräumte und Pkw-ähnliche Fahrerkabine, die eine hohe Wiedererkennung durch die Transporter-einheitliche Designlinie garantiert.

Großer Bruder des T6

Insgesamt wird es den VW Crafter in drei Längen geben. Die kürzeste Variante L3 beginnt bei rund 5,90 Metern, die Länge L4 bildet mit 6,80 Metern das Mittelfeld. Die längste Variante L5 bietet auf rund 7,40 Metern Fahrzeuglänge rund 18 Kubikmeter Ladevolumen. Der niedrigste Crafter passt mit einer Höhe von 2.340 mm (H2) noch in einige Waschboxen, der mittelhohe H3 überschreitet mir 2.575 Millimetern die Zweieinhalb-Meter-Marke. Mit dem höchsten Werkshochdach (H4) misst der neue Crafter 2.800 Millimeter. Auffallend ist, dass es weder die Längen L1 und L2 noch die Höhe H1 gibt. Der Grund ist einfach: Volkswagen konzipiert den Crafter im Zusammenspiel mit dem T6, der die kurze und niedrige Variante zum großen Bruder sein soll. Trotz vier Zentimeter mehr Außenbreite, bleibt der maximale Ladebreite von 1.780 Millimetern gleich.

Der Crafter als Reisemobil

Grundsätzlich will Volkswagen sein Engagement auch im Reisemobilbereich ausbauen. Für den Einsatz des Crafter als Basisfahrzeug sprechen neben der komfortablen Kabine auch die – laut Volkswagen – Pkw-ähnlichen Fahreigenschaften und die Tatsache, dass eine komfortable Wandlerautomatik und verschiedene Antriebsarten wie Front- und Heckantrieb bis hin zum 4Motion-Allradantrieb im Programm sind. Dabei setzt Volkswagen nicht nur auf Kastenwagen, selbst als Triebkopf für Vollintegrierte soll es den Crafter zukünftig geben. Vielleicht werden die ersten Reisemobile auf der neuen Crafter-Basis schon auf dem Caravan Salon 2016 zu sehen sein.

Angepasste Motoren

Der Motorblock der 2,0 Liter Dieselaggregate kommt bei VW aus dem Systemregal. Zylinderkopf, Einspritzung, Aufladung und Ölwanne sind sogenannte konzeptgleiche Teile aus dem Nutzfahrzeugbereich. So sorgt ein geänderter Lauf im Zylinderkopf beispielsweise für eine bessere Verbrennung im Lieferverkehr. Die Ladeluftkühlung mit dem Ansaugrohr und die Abgasrückführung wurden neu konstruiert, da diese Bauteile jetzt teilweise auf dem Motor angebracht sind. VW hat versucht auch im Motorraum den Platzverbrauch zu Gunsten des Ladevolumens zu minimieren. Insgesamt sind die Motoren für ein hohes Anfahrmoment ausgelegt. Zunächst werden vier Euro-6-Motoren von 75 bis 130 kW erhältlich sein, die  diese Schadstoffklasse nur durch den Zusatz von Harnsäureextrakt (AdBlue) erreichen.

Laut Dr. Ekkehardt Pott, zuständig für die Aggregateentwicklung Dieselmotoren bei VW Nutzfahrzeuge, sind die Motoren unter verschärften Bedingungen für eine Laufleistung von 300.000 Kilometern ausgelegt und getestet. Selbst im anspruchsvollen Normalbetrieb sollten Laufleistungen von 500.000 Kilometer keine Seltenheit sein.

Gerade im Bereich der Nebenaggregate bietet der neue Crafter mehr Vielfalt. In der Grundversion sorgt eine 140 Ampere Lichtmaschine für den notwendigen Strom. In maximaler Konfiguration sind zwei Lichtmaschinen à 180 Ampere sowie ein Klimakompressor oder eine 180 Ampere Lichtmaschine mit zwei Klimakompressoren möglich. Zusätzlich ist ab Werk ein Abnahmepunkt für Zusatzaggregate (Power Take Off) bestellbar, der bis zu 40 kW liefert. Da vom Crafter zukünftig rund 30 Prozent aller Fahrzeuge an externe Auf- und Ausbauer gehen, bietet die neue Technik eine optimale Schnittstelle.

Gewichtsklassen und Antriebsarten

Um für alle Anforderungen gerüstet zu sein, wird der großen Bruder des T6 sowohl mit Front-, Heck- und Allradantrieb lieferbar sein. Dabei sind der 4Motion genannte Allradantrieb und der Fronttriebler nur von 3,5 bis 4 Tonnen lieferbar. Entscheidet man sich für den Hecktriebler, ist eine technisch zulässige Gesamtmasse von bis zu 5,5 Tonnen möglich. Dann ist die Hinterachse allerdings mit Zwillingsreifen ausgestattet. Beim Heckantrieb reduziert sich zudem die Innenhöhe um rund zehn Zentimeter. Für die Kraftübertragung vom Motor auf die Räder sorgt entweder ein 6-Gang-Schaltgetriebe (MQ500) oder eine 8-Gang-Automatik (AQ450), die gerade im Zusammenspiel der vielen Assistenzsysteme besonders komfortabel ist und beispielsweise die Möglichkeiten des abstandsgeregelten Tempomaten voll ausnutzt.

Fazit:

Insgesamt machen die vorgestellten Details Lust auf mehr. Solange es aber noch keine Komplettfahrzeuge zum Testen gibt, bleibt abzuwarten, ob sich der Crafter zukünftig stärker am Markt platzieren kann. Positiv ist die Einstellung von Volkswagen Nutzfahrzeuge, auch zukünftig den Anforderungen und Problemen der Kunden mehr Gehör zu schenken, denn das ist längst nicht bei jedem Hersteller der Fall.

Info: www.volkswagen-nutzfahrzeuge.de, www.volkswagen-poznan.pl