Mercedes-Benz Sprinter in dritter Generation: Jetzt auch mit Frontantrieb

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Mercedes-Benz Sprinter in dritter Generation: Jetzt auch mit Frontantrieb

Februar 09, 2018 - 17:43
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Seit der Markteinführung des ersten Sprinters im Jahre 1995 ist das leichte Nutzfahrzeug von Mercedes-Benz Vans ein echter Renner. Heute wird der Sprinter in mehr als 130 Ländern verkauft, im ersten Halbjahr 2017 fand er weltweit 96.200 Käufer. Jetzt kommt die dritte Generation des Sprinters: Neu im Programm ist die Version mit Frontantrieb, leicht überarbeitet präsentieren sich die Modelle mit Heck- und Allradantrieb.

Der neue Stern - der Sprinter von Mercedes-Benz. (Foto: Werk)

Für die Neuauflage des Sprinter ist es Zeit geworden, auch weil man beim einstigen Partner und heutigen Wettbewerber Volkswagen mit dem Crafter die Messlatte bei Sicherheits- und Assístenzsystemen zwischenzeitlich recht hoch gelegt hat. Da mussten die Stuttgarter nachziehen. Vom Design her ist der Sprinter immer noch eindeutig als Stern-Transporter erkennbar. Der Kühlergrill ragt optisch weniger deutlich hervor, die Scheinwerfer - optional in Voll-LED-Technik zu haben - sind jetzt schmaler gezeichnet. Die Stoßstangen sind, je nach Einsatzzweck und Ausstattung, lackiert oder in Wagenfarbe zu haben. Eine seitliche Rammschutzleiste aus schwarzem Plastik steckt kleinere Parkrempler im gewerblichen Alltag weg.

Drei verschiedene Radstände wird es für die dritte Sprinter-Generation geben, hinzu kommen vier verschiedenen Aufbaulängen. Mercedes verkündet stolz, dass man so mit unterschiedlichen Motoren, Getriebevarianten und Ausstattungsvarianten rund 1.700 Kombinationen realisieren könne.

Fronttriebler für Reisemobile

Spannend dürfte, nicht nur für Hersteller von Reisemobilen, der Sprinter mit Frontantrieb werden. Sein Laderaumboden liegt rund acht Zentimeter tiefer als beim Hecktriebler, obendrein soll er rund 50 Kilogramm mehr Nutzlast bieten. Das sind durchaus Werte, die im Lieferverkehr eine Rolle spielen. Obendrein versprechen die Stuttgarter einen Preis, der nicht viel höher liegen soll als bei den Wettbewerbern. Den Fronttriebler wird es auch als sogenannten Triebkopf geben. Damit dürfte der Weg frei sein für entsprechende Chassis von Al-Ko - und damit für eine ideale Basis für größere Reisemobil-Aufbauten. Da dürfte beispielsweise Reisemobilbauer Hymer aus Bad Waldsee bereits in den Startlöchern stehen. Alle Wohnmobil-Hersteller dürfte die fehlende Handbremse freuen. Denn der neue Sprinter ist, bis auf das Modell mit der höchsten Tonnage (das sind beim Kastenwagen 5,6 Tonnen) mit einer elektrischen Feststellbremse ausgerüstet. So lassen sich die Sitze im Fahrerhaus besser drehen und in eine Sitzgruppe integrieren.

Keine Änderung bei den Motoren

Bei den Antriebsaggregaten bleibt zunächst einmal alles wie gehabt. Zum Marktstart gibt es zwei Diesel, der kleinere hat 2,1 Liter Hubraum. Es gibt ihn in drei verschiedenen Leistungsstufen: Den Vierzylinder gibt es als Hecktriebler mit 114, 143 oder 163 PS. Der stärkste „kleine“ Diesel leistet beim Fronttriebler nicht 163, sondern 177 PS. Zu haben ist er allerdings lediglich für Campingversionen. Ein Sechszylinder mit drei Litern Hubraum stellt die Topmotorisierung dar. Er bringt es auf eine Leistung von 190 PS und ein maximales Drehmoment von 440 Nm. Das neu entwickelte manuelle Schaltgetriebe verfügt weiterhin über sechs Gänge, bei den Modellen mit Heck- und Allradantrieb ist eine Siebengang-Automatik verfügbar. Für den neuen Fronttriebler, bei dem der Motor quer eingebaut ist, kann man eine Neungang-Automatik odern. Fasste der AdBlue-Tank der „alten“ Sprinter noch 18 Liter, sind es in der dritten Modellgeneration jetzt 22 Liter. Laut Hersteller schafft der Sprinter durch das AdBlue-System die Euro-6-Norm. Ab 2019 soll es, neben dem eVito, auch einen frontgetriebenen eSprinter geben. Der soll dann eine Tonne Nutzlast und eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometer haben. Angetrieben wird er von einem 84 kW leistenden Elektromotor mit 300 Newtonmeter Drehmoment. Die Spitzengeschwindigkeit soll bei 120 km/h liegen.

Mehr Assistenzsysteme

Klar war, dass Mercedes bei den Sicherheits- und Assistenz-Systemen nachlegen würde. gegen Aufpreis gibt es für den neuen Sprinter Kameras, die auf dem Display eine 360-Grad Ansicht zeigen. Optional ist auch eine Rückfahrkamera verfügbar, deren Bild im Innenspiegel angezeigt wird. Obendrein offerieren die Stuttgarter aktive Spurhalte-, Aufmerksamkeits-, Brems- und Abstandsassistenten. Der Seitenwindassistent ist serienmäßig. Die elektrische Lenkung lässt einen Lenkeingriff durch die Fahrassistenzsysteme zu, etwa beim Abstandsautomat mit Seitenlinienerkennung. Insgesamt sind zwölf Systeme lieferbar, für mehr Sicherheit und Komfort.

Multimedia und Sprachsteuerung

Nach der neuen A-Klasse verfügt auch der neue Sprinter als zweites Modell mit Stern an der Haube über das MBUX-Multimedia-System. Es ist so etwas wie die Antwort von Mercedes auf Alexa, Siri und Co. Das intelligente sprachgesteuerte Programm soll bei jeder Interaktion mit dem Fahrer dazulernen. Wer etwa im Fahrzeug fröstelt, kann das per Sprachbefehl ändern: „Mercedes, heize auf 24 Grad.“ MBUX soll aber auch „Mir ist kalt“ verstehen, sogar auf schwäbisch oder bayerisch gesprochene Befehle soll das Fahrzeug verstehen. Das HD-Display von MBUX gibt es in 7 und 10,25 Zoll-Ausführung. Es sitzt mittig im Cockpit des Sprinters und kann - für mundfaule Zeitgenossen - auch per Touchscreen bedient werden. Navigation und Freisprecheinrichtung sind selbstverständlich, bei Reisemobilen soll MBUX künftig so etwas wie die Schaltzentrale des Mobils werden, mit der sich per App auf dem Smartphone oder Tablet etwa die Füllstände von Frisch- und Abwessertank ebenso checken lassen wie der Ladezustand der Bordakkus. Bei all den multimedialen Anstrengungen der Schwaben mutet es etwas seltsam an, dass der Sprinter serienmäßig kein Radio besitzt. Allerdings ist eine entsprechende Vorbereitung mit einem verblendeten DIN-Schacht wählbar.

Fertigung in mehreren Standorten

Der europäische Markt wird mit Sprintern beliefert, die an den deutschen Standorten Düsseldorf und Ludwigsfelde gebaut werden. Um der Nachfrage aus den USA begegnen zu können, baut Mercedes in North Charleston (South Carolina) ein neues Werk. Denn Nordamerika ist laut Mercedes einer der weltweit am schnellsten wachsenden Transportermärkte. Bisher wurden die in den USA verkauften Sprinter in Deutschland gebaut, teilzerlegt und - wegen der hohen Importzölle - dann in North Charleston wieder montiert.

Der Nettopreis für den neuen Sprinter startet bei 19.990 Euro. Mit Mehrwertsteuer sind das 23.788 Euro. Kunden können den neuen Sprinter ab sofort bestellen, die Auslieferungen starten ab Juni 2018.

Info: www.mercedes-benz.de