Der Camper unter den Großraum-Limousinen mit Stern: Mercedes-Benz Marco Polo

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Der Camper unter den Großraum-Limousinen mit Stern: Mercedes-Benz Marco Polo

April 12, 2019 - 08:15
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Er ist das vielseitige Mobil unter den besternten Großraum-Limousinen: Der Marco Polo, benannt nach dem venezianischen Händler, der es einst auf seinen Reisen bis nach China gebracht haben soll. Bei Mercedes steht der Name des weltweiten Handelsreisenden für eine Art automobiles Schweizer Taschenmesser, geeignet für Freizeit, Beruf, Sport und Alltag.

Die wohl wichtigsten und bekanntesten Wettbewerber sind Volkswagen mit dem California und Ford mit dem Nugget. Auch sie verzichten, ebenso wie Mercedes mit dem auf der V-Klasse basierenden Marco Polo, auf Dusche und Nasszelle. Die Gemeinsamkeit liegt - bedingt durch die kompakten Abmessungen, die in der Größenordnung eines Kombis liegen - in der Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge. Dank aufstellbarer Schlafdächer ist auch die Einfahrt in eine (Tief-)Garage möglich. So kann sich der Besitzer in vielen Fällen die Anschaffung eines zusätzlichen Zweitwagens ersparen. Allen gemeinsam sind vier Schlafplätze sowie eine kleine Küche mit Kocher, Spüle und Kühlschrank. Den wohnlichen Ausbau übernimmt für Mercedes seit 2002 das traditionsreiche Unternehmen Westfalia, das sogar über einige Jahre hinweg den Stuttgartern gehörte.

Die Stuttgarter haben ihre V-Klasse jetzt modellgepflegt. Von den Maßnahmen profitiert natürlich auch das Reisemobil Marco Polo. Optisch fällt das neue Modell vor allem durch die neue Front auf, die mit markanten Einlässen für die Kühlluft und einen Kühlergrill mit markanter Rautenstruktur breiter wirkt als bisher. Die optional verfügbare AMG Line bietet einen neuen Diamantgrill und Chrompins. Zur Wahl stehen mit Graphitgrau metallic, Selenitgrau metallic, Stahlblau und Hyazinthrot metallic vier neue Lackfarben und vier neue Leichtmetallrad-Designs im Format 17, 18 oder 19 Zoll.

Den Innenraum kennzeichnen im Bereich des Cockpits neue Lüftungsdüsen, denen man eine „Turbinen-Optik“ verpasst hat. Und auch die neue V-Klasse kann sich dem Trend hin zu Sicherheits-und Assistenzsystemen nicht verschließen. Insgesamt dreizehn Systeme sind verbaut, darunter mit dem Aktive Brems-Assistent und dem Fernlicht Assistent Plus zwei neue Systeme. Der Aktive Brems-Assistent erkennt eine Kollisionsgefahr mit einem voraus fahrenden Fahrzeug und warnt optisch und akustisch. Im innerörtlichen Verkehr reagiert der Assistent auch auf querende Fußgänger oder stehende Hindernisse. Der Fernlicht-Assistent Plus optimiert die Ausleuchtung der Fahrbahn im Fernlichtmodus und schaltet - bei entgegenkommenden oder vorausfahrenden Fahrzeugen - die LEDs der Fernlichtmodule partiell aus und erzeugt so eine U-förmige Lichtaussparung. Die anderen Fahrbahnbereiche werden weiterhin mit einem Teil-Fernlicht ausgeleuchtet.

Außerdem sind etwa der Totwinkel-Assistent, der Spurhalte- und Seitenwind-Assistent, der Aktive Park-Assistent der Attention Assist oder die radarbasierte Aktive Abstands-Assistent Distronic für die V-Klasse verfügbar. Bei einem Unfall kann das Notrufsystem die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort entscheidend verkürzen. Eine 360 Grad-Kamera bildet im Zentraldisplay das Fahrzeug aus der Vogelperspektive ab und erlaubt so einen beim Rangieren oder Einparken nützlichen Rundumblick. Schade ist, dass sich das in Form und Optik eines Tablets gehaltene Zentraldisplay nicht herausnehmen lässt. Gerade beim Einsatz als Reisemobil ließen sich damit beispielsweise Funktionen wie Radio oder Licht auch bequem von der Rückbank oder der Ligefläche steuern.

Mit dem OM 654 ist ein neuer Motor unter die Haube gekommen. Er ist leiser als sein Vorgänger, arbeitet sauberer und bis zu dreizehn Prozent effizienter und bietet einen verbesserten Schwingungskomfort. Mit 176 kW / 239 PS und 500 Nm Drehmoment (plus 30 Nm Overtorque) markiert die Topmotorisierung beim V 300 d in ihrem Segment den aktuellen Spitzenwert. Außerdem erfüllt der 1.950 ccm große Motor die Euro 6d-TEMP-Norm. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 220 km/h, in Verbindung mit 4Matic Allradantrieb sind 214 km/h erreichbar. Der V 220 d bringt es auf 120 kW / 163 PS und 380 Nm Drehmoment, der V 250 d leistet 140 kW / 190 PS und bietet 440 Nm Drehmoment. Für die neue V-Klasse ist erstmals auch das 9G-Tronic Automatikgetriebe zu haben. Sie ist im V 250 d und im V 300 d serienmäßig zu haben, für den V 220 d ist die weich und fast unmerklich schaltende Automatik gegen Aufpreis zu bekommen. Alle Motoren der neuen V-Klasse sind serienmäßig mit Hinterradantrieb ausgestattet. Optional gibt es den permanenten Allradantrieb 4MATIC. Auch mit Allrad bleibt das Fahrzeug unter zwei Meter Höhe.

Kennzeichnend für den Maco Polo ist ein längs auf der Fahrerseite eingebauter Küchenblock mit zweiflammigem Gaskocher, Spüle, Kompressor-Kühlbox und einem verschiebbaren Klapptisch. Im Wohnbereich installiert sind eine 230 V-Steckdose, zwei USB-Ladedosen und zwei 12 V-Steckdosen. Bei umgeklappten Rückenlehnen der Sitzbank entsteht ein 203 x 113 cm großes Bett, eine weitere Schlafstatt steht im - auf Wunsch elektrisch betriebenen - Aufstelldach zur Verfügung. Nicht ideal gelöst ist die Unterbringung der Füllstandsanzeige für Frisch- (38 Liter Inhalt) und Abwassertank (40 Liter Inhalt) am Fuß der Mittelkonsole. Im Dachbereich über dem Rückspiegel wäre sie besser und auch von der Rückbank aus sichtbar untergebracht.

Info: www.mercedes-benz.de

Mercedes-Benz Maro Polo 300 D - Technische Daten:
Motor: Reihen-Vierzylinder, 1.950 ccm Hubraum
Leistung: 176 kW / 239 PS bei 4.200 U/min
Drehmoment: Nenndrehmoment 500 Nm (plus 30 Nm, kurzzeitige Steigerung des Drehmoments mit Overtourque-Technologie) bei 1.600 bis 2.400 U/min
Maße (LxBxH): 5.140 x 1.928 x 1.980 mm
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 215 km/h
Energie-Effizienzklasse: A+