Defender reloaded: Projekt Grenadier

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Defender reloaded: Projekt Grenadier

Februar 26, 2018 - 07:30
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Es soll ein sonniger Spätsommertag im Jahre 2015 gewesen sein, als der britische Milliardär Jim Ratcliffe im Londoner Stadtteil Belgravia in einem Pub namens „The Grenadier“ saß. Ratcliffe ist Chef und Mehrheitseigner von Ineos, einem der umsatzstärksten Chemie-Unternehmen, das weltweit rund 17.000 Mitarbeiter beschäftigt. 

Namenspate ''Projekt Grenadier'' soll dieser Pub sein. (Foto: Ineos)

Ratcliffe trauerte über die Einstellung der Produktion des legendären, kantigen Land Rover Defenders. Er beschloss, den Defender wiederaufstehen zu lassen. Deswegen gründete die Londoner Firma Ineos, die auch im Rheinland mit einem Werk ansässig ist, eine Tochtergesellschaft: Ineos Automotive. Deren Ziel ist der Bau eines Geländewagens im Stil des Defenders. Ein deutscher Ineos-Manager, Dirk Heilmann, ist Leiter der neuen Automobil-Tochter.

Bisher hat Ineos als Chemie-Unternehmen noch keinerlei Erfahrung mit der Produktion von Fahrzeugen. Das dürfte sich jedoch rasch ändern. Denn der Konzern will rund 600 Millionen britische Pfund investieren, um seine Vision eines Geländewagens im Jahre 2020 mit dem Produktionsstart Realität werden zu lassen. Ein gewagtes Vorhaben, denn bis jetzt gibt es weder einen Namen für das Mobil noch eine erste Designstudie des Fahrzeugs. Einen Arbeitstitel gibt es immerhin: „Projekt Grenadier“, nach dem Londoner Pub, in dem die idee geboren wurde. Klar ist auch, dass der Wagen mit Benzinmotoren, mit Dieselaggregaten oder mit Hybridantrieb angeboten werden soll.

Ratcliffe schwebt die Errichtung der Produktion im Norden Großbritanniens vor, an der Nordseeküste. Rund 25.000 Fahrzeuge sollen dann dort jährlich gefertigt werden. Etwa 1.000 Arbeitsplätze könnten in dem neuen Werk entstehen. Aber Ratcliffe ist Realist, und Geschäftsmann. Daher möchte er gerne auch Gewinn machen. Denn, so sagt er: “Unprofitable Projekte machen keinen Spaß.“ Daher ist es durchaus auch denkbar, dass der neue Geländewagen auch im Ausland vom Band läuft. Als Auftragsarbeit gewissermaßen. Freie Produktionskapazitäten könnten etwa auch Deutschland als Standort attraktiv machen. Über die Finanzierung des automobilen Projekts macht sich Ratcliffe wenig Sorgen. Denn: „Ineos macht einen Jahresgewinn von mehr als vier Milliarden Pfund“, sagt der Brite. Sein geplanter Geländewagen soll eine Marktlücke schließen. Dafür müsse er cool aussehen, zuverlässig sein und im Gelände überragende Fahreigenschaften bieten. Als potenzielle Kundschaft für seinen Geländegänger sieht Ratcliffe eher Landwirte als die Schickeria in den Metropolen. Deshalb bleibt er auch beim Preis auf dem Boden, rund 40.000 Euro sind angepeilt.

Mittlerweile ist Ineos Automotive seinem Ziel ein Stück näher gekommen. In diesen Tagen gab das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit der Mercedes-Benz-Tochter MBtech bekannt. Über 200 Ingenieure der 1995 gegründeten und in Stuttgart beheimateten Tochter von Mercedes-Benz arbeiten ab Frühjahr 2018 als Entwicklungspartner mit am Projekt Grenadier. Das deutsche MBtech-Team wird dabei vom Team der INEOS Automotive in London unterstützt. Ineos Automotive CEO Dirk Heilmann freut sich: „Diese Zusammenarbeit bringt deutsche Ingenieursleistung mit britischem Design und britischen Unternehmertum zusammen, um einen hervorragenden Offroader zu erschaffen.“

Die Kooperation ist ein weiterer Meilenstein des Projekts. Zwar arbeitet MBtech primär für den Mutterkonzern, die Stuttgarter waren aber auch schon erfolgreich an Projekten anderer Automobilhersteller wie BMW oder Porsche beteiligt. Für das Projekt Grenadier übernimmt MBtech die Fahrzeugentwicklung mit ersten Design-Konzepten und der Entwicklung eines vollständigen Fahrzeugs. Auch die ersten Prototypen und Testfahrzeuge wird MBtech bauen. Die offizielle Vereinbarung über die Partnerschaft wurde - wo sonst? - im Londoner Pub Grenadier unterzeichnet.

Dirk Heilmann dazu: „Die Vereinbarung bedeutet einen aufregenden Schritt für das Projekt Grenadier. Mit MBtech haben wir einen Partner gefunden, von dem wir glauben er hat das Talent und die Voraussicht, die es uns ermöglichen einen hochqualitatives Fahrzeug an dem Markt zu bringen. Ich glaube MBtech Reputation für Qualität, Zuverlässigkeit und Handwerkskunst zusammen mit ihrer langen und stolzen Geschichte, machen sie zur richtigen Wahl. Wir haben ein großes Vertrauen in die Ingenieursleistungen von MBtech und wir wissen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.“

Henry Kohlstruck, Managing Director bei MBtech, ergänzt: „Wir alle bei MBtech freuen uns auf diese im Leben wohl einmalige Chance, einen kompromisslosen Geländewagen entwicklen zu dürfen. Über die nächsten sechs Monate wartet viel Arbeit auf uns, da wir alle Designparameter berücksichtigen müssen. Unsere Kernkompetenzen liegen darin SUV’s und 4×4-Fahrzeuge zu entwickeln. Es ist für uns alle sehr spannend die Freiheit und Verantwortung bei der Entwicklung dieses fantastischen Projekts bekommen zu haben.“

Infos: projektgrenadier.com